TV-Tipp des Tages: "Die Hummel" (Einsfestival)

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TV-Tipp des Tages: "Die Hummel" (Einsfestival)
TV-Tipp des Tages: "Die Hummel", 25. Juli, 18.30 Uhr auf Einsfestival
Das Schicksal hat Pit, ein Mann mittleren Alters, nach ganz unten durchgereicht; obwohl er ein dickes Auto fährt und drauf und dran ist, in der Hierarchie der Verkaufsorganisation einen großen Sprung nach oben zu machen.

Der vermeintlich harmlose Titel dieses Dramas entfaltet seine grimmige Ironie erst, wenn man die Anspielung versteht. Hummeln, heißt es im Verlauf der Handlung, dürften eigentlich gar nicht fliegen können, weil sie zu schwer seien. Dass es trotzdem klappe, liege allein daran, dass ihnen ihr Handicap nicht bewusst sei. Der Mann, der diese Erkenntnis zum Besten gibt, sammelt gestrauchelte Existenzen um sich, um ihrem Dasein einen neuen Sinn zu geben. Die so entstandene Gemeinschaft wirkt wie eine Sekte. Tatsächlich aber geht es bloß um Geld: Die gestrandeten Seelen investieren ihr Erspartes in einen Koffer mit Kosmetika, die sie an weibliche Verwandte, Freunde und Bekannte verkaufen sollen.

All das ist jedoch nur die Kulisse für eine höchst indirekt erzählte Romanze. Hauptfigur des Films ist Pit (Jürgen Tonkel), ein Mann mittleren Alters, den das Schicksal nach ganz unten durchgereicht hat; obwohl er ein dickes Auto fährt und drauf und dran ist, in der Hierarchie der Verkaufsorganisation einen großen Sprung nach oben zu machen. Als er seine einstigen Jugendfreundschaften abklappert, trifft er schließlich auf Christiane (Inka Friedrich); und plötzlich dient das Gespräch nicht mehr in erster Linie dem Verkauf seiner Naturprodukte. Die Begegnung mit der unglücklich verheirateten Frau öffnet Pit endgültig die Augen für seine Lage: Die Hummel wird sich ihres Handicaps bewusst und kann prompt nicht mehr fliegen. Das dicke Auto ist ohnehin nur gemietet, Pit ist längst bankrott.

Eine "traurige Komödie" nennt Sebastian Stern sein Regiedebüt, aber von Komik kann keinerlei Rede sein; "Die Hummel" ist eher die Tragödie eines lächerlichen Mannes. Allerdings gibt es einige skurrile Gestalten am Rand der Handlung, etwa die groteske Gruftie-Freundin von Pits Sohn. Das Pärchen gewährt Pit Asyl, weil seine in Wirklichkeit längst zwangsvollstreckte Wohnung angeblich renoviert wird.

Das Drama lebt vor allem von den Figuren, die die beiden Autoren (Stern schrieb das Drehbuch gemeinsam mit Peter Berecz) dem Leben abgeschaut haben.

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Tonkel und Friedrich sind ohnehin ausgezeichnete Schauspieler, aber auch die Nebendarsteller sind sehr gut geführt. Reichlich bieder wirkt allein die Inszenierung mit ihren langen starren Einstellungen. Das dürfte zwar nicht zuletzt eine Frage des Budgets sein, aber etwas mehr Fantasie und Tempo hätten dem Film nicht geschadet.