Schavan zur Beschneidung: Auch das respektieren, was fremd ist

Schavan zur Beschneidung: Auch das respektieren, was fremd ist
Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) hat das Ritual der Beschneidung bei jüdischen und muslimischen Jungen verteidigt.

"Wir dürfen uns nicht angewöhnen, zu meinen, erlaubt sei nur das, was allen plausibel erscheint", sagte sie am Mittwochabend in Bückeburg mit Blick auf das umstrittene Beschneidungsurteil des Kölner Landgerichts. "Was manchen nicht plausibel erscheint, ist anderen heilig", unterstrich Schavan beim Jahresempfang der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Schaumburg-Lippe. Viele Menschen müssten lernen, auch das zu respektieren, was ihnen selbst fremd sei.

Das Landgericht Köln hatte vor zwei Wochen die Beschneidung eines muslimischen Jungen als Körperverletzung gewertet. Der Eingriff sei medizinisch nicht notwendig und entspreche nicht dem Kindeswohl. Laut Schavan bietet die Diskussion über das Urteil jedoch eine Chance für Christen, die Traditionen von Juden und Muslimen näher kennenzulernen.

Manzke: "Wer anfängt, religiöse Rituale zu verbieten, kann gleich die ganze Religion verbieten"

Schavan begrüßte es zugleich, dass für Juden und Muslime in Deutschland Religionsunterricht an Schulen und theologische Studiengänge an Hochschulen eingerichtet werden. "Es ist gut, dass religiöse Bildung zur Allgemeinbildung gehört", betonte die Katholikin. Theologie dürfe nicht "irgendwo" stattfinden, sondern gehöre mitten ins öffentliche Bildungssystem hinein. "Das ist eine große wissenschaftliche Tradition, um die uns viele in der Welt beneiden und die international Standards setzt."

Auch der schaumburg-lippische Landesbischof Karl-Hinrich Manzke wandte sich gegen das Kölner Urteil zur Beschneidung. "Ich glaube, dass das Landgericht nicht nur über die Möglichkeiten der Chirurgie schlecht informiert ist, sondern auch über das, was das Grundgesetz über die Religionen sagt", betonte der evangelische Theologe. "Wer anfängt, religiöse Rituale zu verbieten, kann gleich die ganze Religion verbieten." Das könne dann auch Segnungen oder Taufen treffen.

Laut Manzke stammt jede Religion aus alten Zeiten und ist nicht durchgängig kompatibel mit dem aufklärerischen Verständnis von heute. Zur Freiheit gehöre auch, sich für eine Tradition zu entscheiden.

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