Viel Prominenz beim Johannisempfang

epd-bild/Andreas Schoelzel

Bundespräsident Joachim Gauck im Gespräch mit dem EKD-Ratsvorsitzenden Nikolaus Schneider und dem EKD-Bevollmächtigten Bernhard Felmberg.

Deutschland spricht 2019
Viel Prominenz beim Johannisempfang
Beim Johannisempfang der EKD in Berlin findet der Ratsvorsitzende Nikolaus Schneider deutliche Worte. "Menschen urteilen übereinander zu schnell, zu viel und zu hart", so der rheinische Präses. Kritik übt er aber auch am Beschneidungsurteil des Landgerichts Köln.

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Nikolaus Schneider, hat vorschnelle Urteile über Menschen und Ideen scharf verurteilt. "Menschen urteilen übereinander zu schnell, zu viel und zu hart", sagte der rheinische Präses am Donnerstag beim Johannisempfang der EKD in Berlin. Ihn beunruhige "eine Atmosphäre des Bloßstellens, des Niedermachens, des Draufschlagens auf Geschlagene".

Dabei bemängelte der Theologe auch die Anonymität im Internet, die er eher als "Problembeschleuniger" als Freiheitsort sehe. "Ein sogenannter 'shitstorm' ist doch weithin eine hochstilisierte Brutalität in Wort und Sache, die mit einem zivilisierten Freiheitsbegriff nichts zu tun hat", sagte Schneider.

Schneider hält Beschneidungsurteil für verfehlt

Der Ratsvorsitzende kritisierte zudem das Urteil des Landgerichts Köln, das die Beschneidung eines minderjährigen Jungen aus religiösen Gründen als Körperverletzung bewertet hatte. Er halte das Urteil für verfehlt, sagte er. Er warnte vor dem Signal, das "ausgerechnet in Deutschland" an Juden und Muslime ausgehe. Für sie habe Beschneidung eine zentrale religiöse Bedeutung, die zu achten sei.

Passend zum Lutherdekaden-Themenjahr "Reformation und Musik" warb Schneider dafür, sich durch Musik neue Perspektiven eröffnen und Zuversicht geben zu lassen. "Ich denke, wir brauchen gerade in Krisenzeiten den Ton und den Klang der Freude über die Schönheit der Schöpfung Gottes in unseren Herzen." Gleichzeitig warnte er davor, in der Kirche Klagen, Zweifel und Tränen "mit frommen Lob- und Dankliedern wegsingen zu wollen".

Felmberg würdigt Bedeutung der Musik

Auch der Bevollmächtigte des Rates der EKD bei der Bundesrepublik und der Europäischen Union, Bernhard Felmberg, betonte die Bedeutung der Musik. "Evangelisch zu sein bedeutet - auch und besonders - zu singen", sagte er. Es gehe dabei um "den eigenen Odem": Kraft, Energie und Vielfalt der Stimmen. Er betonte, dass Gott nicht nur durch Musik, sondern auch die eigenen Taten gelobt werden müsse.

Der EKD-Bevollmächtigte richtet traditionell um den Johannistag (24. Juni) einen Empfang aus. Er startete am Donnerstag mit einem Gottesdienst in der Friedrichstadtkirche auf dem Berliner Gendarmenmarkt. Zu den Gästen gehörten Bundespräsident Joachim Gauck, Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse (SPD), Kanzleramtsminister Ronald Pofalla (CDU) sowie die Minister Wolfgang Schäuble, Annette Schavan (beide CDU) und Ilse Aigner (CSU). Gekommen waren zudem CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe, der auch Mitglied der EKD-Synode ist, SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles sowie die Fraktionschefs Frank-Walter Steinmeier (SPD), Volker Kauder (CDU) und Gregor Gysi (Linke).