Ex-Diktator Charles Taylor muss 50 Jahre ins Gefängnis

Ex-Diktator Charles Taylor muss 50 Jahre ins Gefängnis
Der ehemalige Präsident von Liberia, Charles Taylor, ist wegen Kriegsverbrechen im Nachbarland Sierra Leone zu 50 Jahren Haft verurteilt worden. Der 64-Jährige sei für einige der abscheulichsten und brutalsten Verbrechen in der Geschichte verantwortlich, erklärte der Vorsitzende Richter des Sondertribunals zu Sierra Leone, Richard Lussek, am Mittwoch in Leidschendam bei Den Haag.

Das Gericht hatte Taylor im April wegen Planung, Beihilfe und Anstiftung zu Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit Ende der 90er Jahre in Sierra Leone schuldig gesprochen worden. Dabei ging es um Morde, Vergewaltigungen, Verstümmelungen, Sklaverei und den Einsatz von Kindersoldaten. Taylor wird seine Strafe in einem britischen Gefängnis verbüßen.

Charles Taylor galt in den 90er Jahren als einer der brutalsten Warlords Afrikas. Er war Rebellenchef und Präsident von Liberia. Wegen Kriegsverbrechen im Nachbarland Sierra Leone kam er vor das Sondertribunal in den Niederlanden, das ihn Mitte April 2012 der Beihilfe für schuldig befand. Nun soll der 64-Jährige für den Rest seines Lebens in ein britisches Gefängnis. Taylor bedauerte im Prozess die Gräueltaten, wies aber jegliche Verantwortung von sich.

Nach Überzeugung des Gerichts hat Taylor die RUF-Rebellen in Sierra Leone unterstützt, die Diamantenfelder kontrollierten. Sie mordeten, vergewaltigten und verstümmelten Zivilisten, setzen Kinder als Soldaten ein und versklavten sie. Vom Handel mit "Blutdiamanten" profitierte auch Taylor, der in den USA Ökonomie studiert hat. Er wurde 1948 als Sohn eines Americo-Liberianers geboren. So werden die Nachfahren jener befreiten US-Sklaven genannt, die nach Afrika zurückgekehrt waren und 1847 die Republik Liberia gründeten.

Sechs Jahre Bürgerkrieg, sechs Jahre Diktator

1989 entfesselte Taylor einen Bürgerkrieg in Liberia, als er mit einem Heer von Kindersoldaten einmarschierte und den damaligen Diktator Samuel Doe töten ließ. Bis 1996 kamen 200.000 Menschen ums Leben - jeder zehnte Liberianer. 1997 wurde Taylor zum Präsidenten gewählt, es war eine Wahl in Angst und Schrecken. Gern gab sich der Diktator als frommer Christ, legte sich als Laienprediger bei den Baptisten in schneeweißer Kutte auf den Boden und bat Gott um Vergebung seiner Sünden.

Unter massivem internationalen Druck gab Taylor die Präsidentschaft 2003 auf und suchte Asyl in Nigeria, das aber 2006 seine Auslieferung ankündigte. Nach kurzer Flucht wurde er gefasst und dem Sondertribunal in der Nähe von Den Haag überstellt.

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