Ein Dorf trotzt der Energiekrise

Energieanlagen im brandenburgischen Dorf Feldheim
epd-bild/Matthias Kindler
Das sind die Energieanlagen im brandenburgischen Dorf Feldheim in Brandenburg.
Brandenburger Vorbild
Ein Dorf trotzt der Energiekrise
Die deutschen Energiepreise sind für viele Haushalte eine Belastung. Im kleinen Ort Feldheim in Brandenburg ist das anders. Bereits 2010 haben sich die Bewohner mit einem aus erneuerbaren Quellen gespeisten Netz unabhängig gemacht.

Die Strompreise in Deutschland gehören zu den höchsten in Europa. Im brandenburgischen Dorf Feldheim bei Treuenbrietzen in Brandenburg liegen sie dagegen seit Jahren fest bei rund 12 Cent pro Kilowattstunde. Zum Vergleich: Nach Angaben des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft beträgt der bundesweite Durchschnitt 37 Cent pro Kilowattstunde. Schon 2010 haben sich die rund 130 Feldheimerinnen und Feldheimer mit einem eigenen Netz autark gemacht - gespeist aus erneuerbaren Energien.

"Die Idee, energieautark zu werden, die stand erst gar nicht im Vordergrund", sagt Doreen Raschemann vom Neue Energien Forum Feldheim. Mitte der 1990er Jahre seien ihr Mann Michael und sie hergekommen, weil sich der Raum Feldheim für die Windenergienutzung gut eignete. Die ersten Anlagen waren noch ein Experiment des von Windenergie faszinierten Bauingenieurstudenten. "Er traf auf offene Ohren beim Gemeinderat und bei der Bürgermeisterin und so hat er hier mit Anfang 20 vier Windkraftanlagen aufgestellt", sagt sie. Die hätten sie noch mit einem privaten Kredit finanziert.

Schon für das fünfte Windrad tat sich dann ein Teil der Feldheimerinnen und Feldheimer zusammen. Dessen 500 Kilowatt Leistung reichten laut Raschemann bereits für das Dorf. Den selbst erzeugten Strom musste Feldheim aber ins öffentliche Netz einspeisen und anschließend teurer zurückkaufen. "Die Idee für das eigene Netz, entstand im Zusammenhang mit der Biogasanlage", sagt Raschemann. Das Unternehmen "Energiequelle" baute diese 2008 in Zusammenarbeit mit der örtlichen Agrargenossenschaft.

Vorrangig sollten damit Gülle, Mais und Getreideschrot in Strom umgewandelt werden. Die Wärmeleistung von 534 Kilowatt fällt bei diesem Prozess nebenbei an. Um sie zu verteilen, baute die Gemeinde ein Wärmenetz und legte die Stromleitungen gleich mit an. 3.000 Euro zahlte jeder Haushalt für den Anschluss: eine Investition, die sich laut Raschemann rentierte. Die Energiewirtschaft habe aus dem Ort, der lange nicht einmal Bürgersteige und Straßenlaternen hatte, einen Anziehungspunkt für jährlich 3.000 bis 5.000 Besucherinnen und Besucher aus aller Welt gemacht.

Einspeisevergütung für Biogasanlage fällt weg

Doch die Zukunft des Betriebs ist ungewiss: "Wir haben noch eine super Biogasanlage und die könnte natürlich noch zehn, zwölf Jahre weiterlaufen", sagt der dafür zuständige Landwirt Sebastian Herbst. Aber 2028 ende nach 20 Jahren die bisherige Festförderung nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz. Ohne die Einspeisevergütung lasse sich die Anlage kaum wirtschaftlich betreiben.

Landwirt Sebastian Herbst und die Biogasanlage im brandenburgischen Dorf Feldheim.

Nach Herbsts Einschätzung müsste dann die dorfeigene Feldheim Energie GmbH & Co. KG in eine neue Energiequelle für das Wärmenetz investieren. Er fürchtet Rückschritte sowohl bei den Kosten als auch bei der Umweltverträglichkeit der Energieträger. Und auch für die Landwirte des Ortes wäre das einschneidend. "Wir verwerten die Gülle und bringen hochwertigen Dünger wieder auf den Acker aus. Das heißt, wir haben einen geschlossenen Kreislauf", sagt Herbst. Die verlässlichen Einkünfte seien wichtig für die örtliche Landwirtschaft, die unter schwankenden Preisen leide. Ein Aus der Anlage könnte auch zu Kündigungen von Mitarbeitern führen.

Für die Dorfgemeinschaft bleibt die Feldheimer Energiewende dennoch eine Erfolgsgeschichte. Das Bürgerwindrad wurde 2015 allein aus den damit erwirtschafteten Gewinnen durch ein Modell ersetzt, das sechsmal leistungsfähiger ist. Inzwischen unterhalten verschiedene Unternehmen weitere 51 Windkraftanlagen auf dem Gebiet des Ortes. Ein eigenes Regelkraftwerk sorgt für die Stabilität im Feldheimer und überörtlichen Stromnetz. Aus Sicht Raschemanns macht Feldheim damit vor, was auch in ganz Deutschland möglich wäre: "Wenn das hier im Kleinen geht, gibt es auch im Großen Lösungen, Strom und Wärme aus Erneuerbaren gut und günstig zu verteilen."