Tanzen und Tacos beim "Día de los Muertos"

Feierlichkeiten zum Tag der Toten auf dem Friedhof San Gregorio Atlapulco am Stadtrand von Mexiko-Stadt
Eduardo Verdugo/AP/dpa
So feiern die Mexikaner ihre Toten am "Tag der Toten". Aber auch in Deutschland verbreitet sich das mexikanische Totenfest.
Freude auf dem Friedhof
Tanzen und Tacos beim "Día de los Muertos"
Totengedenken muss nicht still sein. Beim mexikanischen Tag der Toten wird in Hamburg auf dem Friedhof getanzt, gegessen und musiziert. Das bunte Fest "Día de los Muertos" wird in Deutschland immer beliebter.

Wenn Cinthia Catana ihre Schminke rausholt, wird ihr Gegenüber zum Skelett La Catrina. Mit pinken Augenhöhlen, Blumenranken und Glitzer. "Aber nicht für Halloween, sondern für den mexikanischen 'Día de los Muertos'", sagt die 41-Jährige vom Verein Hamburg-México. Dieser Tag der Toten werde immer wieder mit Halloween verwechselt. "Dabei hat das Fest ganz andere Traditionen", sagt Catana. Sie freut sich schon auf den 7. November.

Denn da wird der "Día de los Muertos" auf dem Hamburger Friedhof Ohlsdorf mit großem Altar, Tanz, Essen und bunten Girlanden gefeiert. Es ist bundesweit das einzige mexikanische Totenfest auf einem Friedhof. "Es ist so schön, dass wir das Fest wie in unserer Heimat auf einem Friedhof feiern können", sagt Blanca Ochoa, die das Fest für den Verein organisiert.

Nach alt-mexikanischem Glauben kommen am "Día de los Muertos" die Toten zu Besuch aus dem Jenseits und feiern mit den Lebenden ein fröhliches Wiedersehen. Familien schmücken Altäre traditionell mit Kerzen, Fotos, Lieblingsspeisen ihrer Verstorbenen und orangen Ringelblumen (Cempasúchil). "In einigen Gegenden Mexikos picknicken Angehörige direkt neben den Gräbern", sagt Ochoa.

Seit 2008 steht der "Día de los Muertos" auf der Unesco-Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit, die Feierlichkeiten laufen von Ende Oktober bis Anfang November. Mittlerweile ist das Fest auch in Deutschland bekannter geworden, in Großstädten gibt es zahlreiche Events in Museen, Restaurants, Bars und Musikclubs. Manche nehmen es dabei mit der Tradition nicht so genau: "Einige kommerzielle Anbieter machen aus dem Totenfest leider Halloween-Partys", bedauert Ochoa.

Dagegen ehrt das Hamburger Museum am Rothenbaum (MARKK) seit Jahrzehnten die kulturellen Traditionen zum Totenfest. Seit über 30 Jahren feiert hier der Verein Círculo-Mexicano-Alemán. Der aufwendige Altar wird über Monate in Handarbeit angefertigt. Beim Totenfest am 7. und 8. November gibt es im MARKK mexikanisches Essen, Kunsthandwerk, Vorträge, Bastelaktionen, Tanz und Musik.

Hype durch Hollywood

Dass das Fest immer beliebter wurde, liegt auch an Hollywood: Weltweiten Hype um das Fest lösten eine Szene im James-Bond-Film "Spectre" (2015) und danach der Kinofilm "Coco" (2017) aus. Dazu kommt Social Media. "Seit Jahren sind Instagram oder TikTok voll mit Make-up-Tutorials, Altar-Dekorationen und Food-Posts", sagt Ochoa. Bei den ersten Festen auf dem Friedhof Ohlsdorf musste sie noch gegen Vorurteile kämpfen. "Wir wurden als respektlos oder Satanisten beschimpft." Tanzen, Imbiss-Stände, Musik und bunte Girlanden passten so gar nicht zur stillen Trauerkultur in Deutschland.

Das sieht Hedda Scherres anders: "Ich mag diesen anderen Blick auf den Tod". Die Sprecherin des Friedhofs Ohlsdorf hat das Fest vor neun Jahren initiiert. "Der 'Día de los Muertos' zeigt uns, wie wir die Trauer nicht verdrängen, sondern mit ihr umgehen können, indem wir uns auf die positiven Erinnerungen konzentrieren", erklärt die Ethnologin. In Deutschland werde der Tod oft verdrängt, die Schwellenangst vor Friedhöfen sei hoch. "Das möchten wir aufbrechen", sagt Scherres.

Bunte Erinnerungskultur

Es gehe darum, das Leben der Verstorbenen zu feiern und eine sinnliche, liebevolle Erinnerungskultur zu schaffen. Scherres: "Diese Perspektive ist eine wertvolle Bereicherung für unsere Gesellschaft." Der Tod gehöre zum Leben dazu, werde mit etwas Positivem verbunden.

Scherres freut sich, dass über 2.000 Menschen aus ganz Norddeutschland zum Fest auf den Friedhof kommen - neben Lateinamerikanern seien auch immer mehr Deutsche dabei. Scherres mag vor allem das Sinnliche und die Gemeinschaft an diesem Fest: "Sich gemeinsam an schöne Erlebnisse mit Verstorbenen zu erinnern, hilft bei der Trauerbewältigung."