Die deutschen Spieler stehen eng im Kreis. Die Arme liegen auf den Schultern der Mitspieler. Gleich geht es auf dem Kunstrasenplatz des FSV Frankfurt 1899 gegen Italien. Dann schallt es über den Platz: "Zicke zacke, zicke zacke, hoi, hoi, hoi!" Der Kreis löst sich auf. Gemeinsam mit sechs weiteren deutschen Spielern betritt Lars Weddige das verkleinerte Fußballfeld. Gespielt wird im Sieben-gegen-sieben-Modus.
Das Besondere an diesem Turnier: Alle Spieler*innen leben mit einem transplantierten Organ.
Transplantierter Fußballer aus Frankfurt
Vor sieben Jahren bekam der 45-Jährige Lars eine neue Leber. Nun spielt er für Deutschland beim Transplant Football World Cup in Frankfurt.
Für Weddige ist die Weltmeisterschaft mehr als ein sportlicher Wettbewerb. "Auf dem Platz sieht man, was nach einer Transplantation wieder möglich sein kann", sagt er.
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Fußball nach der Organtransplantation
Die Spiele dauern jeweils zweimal 20 Minuten. Auswechslungen sind unbegrenzt möglich, damit die Spieler an den langen Spieltagen genug Zeit haben, um sich zu regenerieren.
Organisiert wird der Wettbewerb von TransDia-Sport Deutschland und der World Transplant Games Federation. Die Organisatoren wollen zum einen zeigen, was nach einer Organtransplantation wieder möglich sein kann, zum anderen wollen sie so darauf aufmerksam machen, dass es immer noch viel zu wenig Menschen gibt, die nach dem Tod ihre Organe spenden.
Der Transplant Football World Cup ist noch eine junge Veranstaltung. Die erste Weltmeisterschaft fand 2024 im italienischen Cervia statt. Damals hat Chile den Titel gewonnen.
Deutschland ist bereits einmal Weltmeister im Transplantierten-Fußball geworden. Das Team hat 2025 das Fußballturnier bei den World Transplant Games in Dresden gewonnen. In Frankfurt wird beim World Cup erstmals auch ein Frauenwettbewerb ausgetragen.
Lebertransplantation nach schwerer Krankheit
Lars erkrankte mit Mitte 20 an Colitis ulcerosa. Später kam eine weitere Autoimmunerkrankung hinzu. Sie verengte seine Gallengänge und führte dazu, dass sich sein Gesundheitszustand immer weiter verschlechterte: Er nahm ab, war ständig müde und erschöpft. Schließlich färbte sich sein Gesicht gelb. "Dann sagte der Arzt mir, dass ich nicht mehr gut aussehe. Und wenn ein Arzt schon sowas sagt, dann weißt du, wie schlimm es ist", erzählt der Frankfurter.
Lars kam auf die Warteliste für eine Lebertransplantation. Sein Handy war ständig eingeschaltet und auf laut gestellt. Denn wenn der Anruf aus der Klinik kommt, ist oft nicht viel Zeit bis zur Operation. "Wann der Anruf kommt, kann man nicht beeinflussen", sagt Lars. Sein Anruf kam nachts an Silvester 2018. Am 4. Januar 2019 wurde er operiert.
"Die paar Schritte waren anstrengender als das Fußballspiel heute"
Nur ein paar Tage nach der OP konnte Lars wieder aufstehen. Der 1,92 Meter große Mann wog nur noch 60 Kilo und hatte keine Kraft mehr in den Muskeln. Im Krankenhausflur übte Lars das Gehen. Zunächst schaffte er aber nur ein paar Schritte auf dem Krankenhausflur. "Die paar Schritte damals haben mich mehr erschöpft, als das Fußballspiel heute", sagt Lars.
Die Reha dauerte drei Wochen. Nach vier Monaten konnte Lars wieder arbeiten. Medikamente, Immunsuppressiva und regelmäßige Kontrolluntersuchungen gehören bis heute zu seinem Alltag.
Der Traum vom Fußballspielen
Lars träumte im Krankenhausbett davon, wieder Fußball spielen zu können. Nach der Operation "klang das völlig unrealistisch", sagt er. Im Newsletter eines Selbsthilfevereins las Lars vom Ex-Werder-Bremen-Profi Ivan Klasnic, der nach einer Transplantation wieder Fußball spielte.
Lars ist selbst großer Werder-Fan und spielte früher auch gerne Fußball, deshalb nahm er an einem Fußballtag bei den World Transplant Games 2025 in Dresden teil und wurde mit dem deutschen Team Weltmeister.
Niemand müsse Leistungssportler sein, um in den Mannschaften der Transplantierten mitzuspielen, erklärt Lars. Transplantierte seien immer unabhängig von ihrem Leistungsniveau willkommen.
Sport als Aufruf zur Organspende
"Beim World Transplant Football Cup geht es um Spaß, Wettkampf und einen Austausch." Für Lars gehört auch ein gesellschaftliches Anliegen zum Turnier: Ohne die Organspende eines anderen Menschen wäre seine Rückkehr auf den Platz nicht möglich gewesen. Deshalb wirbt Lars für die Widerspruchsregelung bei der Organspende. Statt aktiv einen Organspendeausweis zu beantragen, sollten Menschen beim Hirntod immer als Organspender in Frage kommen, außer sie haben aktiv Widerspruch eingelegt. Das würde eine Umkehrung der aktuellen Regelung bedeuten.
Mehrheit der Deutschen steht Organspende positiv gegenüber
Laut der BIÖG-Studie 2024 sind 85 Prozent der Deutschen positiv zum Thema Organspende eingestellt. Nach Zahlen des Bundesinstitutes für öffentliche Gesundheit waren im Januar 2026 mehr als 8.200 Menschen auf der Warteliste für ein Spender-Organ. 2025 sind fast 4.800 Menschen auf die Warteliste gekommen. 633 Personen sind gestorben, bevor sie ein neues Organ bekommen konnten.
Lars ist froh darüber, dass er eine neue Leber bekommen konnte und wieder Sport machen kann. "Wenn man sich früher gefühlt hat, als könne der Körper kaum noch etwas, ist es etwas Besonderes, wieder so spielen zu können."
evangelisch.de dankt indeon für die inhaltliche Kooperation.




