Kommunikationsforscher fordert KI-Strategie für die Kirche

Kleiner Roboter vor einem Monitor
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KI-Tools können die Arbeit in Gemeinden als nützliche Helfer:innen unterstützen.
Wie umgehen mit KI?
Kommunikationsforscher fordert KI-Strategie für die Kirche
Der Wissenschaftler Holger Sievert fordert von der evangelischen Kirche eine übergreifende Strategie für künstliche Intelligenz. Die Gemeinden benötigten ethische Leitlinien, gezielte Fortbildungen und Entlastung im Verwaltungsalltag.

Der Kommunikationsforscher Holger Sievert fordert von den Kirchen eine übergreifende Strategie für den Einsatz Künstlicher Intelligenz (KI) in den Gemeinden. "Ohne eine solche Strategie investieren wir knappe Ressourcen falsch, scheitern an Fragen des Datenschutzes und verlieren den Anschluss an die Lebensrealität der Menschen", sagte Sievert.

Eine KI-Strategie sei kein reines Zusatzprojekt, "sondern eine Basisinfrastruktur und damit eine Notwendigkeit für die Überlebensfähigkeit der Organisation".

Der Professor für Kommunikationsmanagement an der Macromedia University in Köln hatte im Mai eine Studie zur Digitalisierung im Raum der Kirchen, finanziert vom "Versicherer im Raum der Kirchen" (VRK), veröffentlicht. Demnach vermissen die über 7.000 befragten Mitarbeitenden und Mitglieder aller Konfessionen ethische Leitlinien und eine Gesamtstrategie zur Anwendung von KI.

Warnung vor Schatten-KI

Sievert mahnte auch die Entwicklung ethischer Leitlinien an, die besonders hohen Ansprüchen genügen müssten. In allen Anwendungsgebieten müsse der Mensch laut Sievert stets die Kontrolle und Verantwortung behalten. Der Wissenschaftler warnte zugleich vor zu starren Verbotsempfehlungen, die zu einer Schatten-KI führen könnten: "Fast jeder fünfte Mitarbeitende gibt in unserer Studie an, gewisse KI-Tools selbst bei einem Verbot einfach heimlich weiternutzen zu wollen", erklärte der Wissenschaftler.

Beim Thema Digitalisierung hinken kirchliche Institutionen gesellschaftlichen Entwicklungen nach Einschätzung Sieverts hinterher. In der klassischen Social-Media-Arbeit liege die Kirche in der Fläche um 10 bis 15 Jahre zurück. Ein ähnlich "strategieloses Stückwerk" dürfe sich bei künstlicher Intelligenz nicht wiederholen. Das größte Hindernis für die digitale Innovation in den Gemeinden sei das fehlende technische Know-how. Deshalb seien Fortbildungsangebote dringend notwendig.

KI kann Pfarrämter bei Verwaltung entlasten

Großes Potenzial für den Einsatz von KI sieht Sievert in der Entlastung der Pfarrpersonen von Verwaltungsaufgaben. Sie könne beim Verfassen von Protokollen, Gemeindebriefen, Social-Media-Posts sowie Routine-E-Mails wertvolle Zeit einsparen. "Das ist Zeit, die vor allem für die echte, leibhaftige Beziehungsarbeit und die Seelsorge am Menschen bleibt", betonte der Publizist und Evangelische Theologe. Predigten sollten Pastoren und Pastorinnen allerdings noch selbst verfassen.

 

Auch in der Seelsorge zieht der Experte deutliche Grenzen. Automatisierte Chatbots in der direkten Seelsorge würden von den Befragten abgelehnt. Da ratsuchende Menschen mit hoher digitaler Affinität aber bereits KI-Systeme für Lebensfragen nutzten, solle die Kirche aber über eigene, barrierefreie Erstangebote nachdenken und von dort aus an echte Seelsorgende weitervermitteln.