TV-Tipp: "Fang mich doch!"

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31. August, ZDF, 20.15 Uhr
TV-Tipp: "Fang mich doch!"
Hauptfigur von "Fang mich doch!" ist ein von Jan Krauter als durchaus sympathischer Luftikus verkörperter liebevoller Vater, der eines Tages eher durch Zufall die Chance bekommt, endlich auf großem Fuß zu leben.

"Arbeit zieht Arbeit nach sich", weiß der Lebenskünstler; deshalb fängt er gar nicht erst damit an. Vom Geld anderer Leute zu leben kann allerdings ebenfalls in Arbeit ausarten, erst recht, wenn man immer tiefer in einem Sumpf aus Lügen versinkt; und davon handelt dieser auf wahren Begebenheiten basierende Film. Hauptfigur von "Fang mich doch!" ist ein von Jan Krauter als durchaus sympathischer Luftikus verkörperter liebevoller Vater, der eines Tages eher durch Zufall die Chance bekommt, endlich auf großem Fuß zu leben.

Tochter Bernadette hat hin und wieder epileptische Anfälle und darf dank Georgs Überzeugungskraft in eine von vermögenden Eltern in Eigeninitiative gegründete Leipziger Regenbogen-Kita wechseln. Er gibt sich als Veranstalter aus, Ehefrau Mara (Pina Bergemann) arbeitet, wie er das bei der Vorstellung hübsch umschreibt, in der Dienstleistungsbranche. In Wirklichkeit ist Georg arbeitslos, seit er in der Corona-Pandemie seine Bar schließen musste; Mara hält die Familie als Putzfrau über Wasser.

Was nun folgt, ist eine klassische Gaunergeschichte, die stellenweise wirkt, als habe sich "Dr. Nice"-Schöpferin Elke Rössler bei der Konzeption der einzelnen Kapitel durch Redensarten und Sprichwörter inspirieren lassen. Der Auftakt stünde demnach unter dem Motto "Gelegenheit macht Diebe": Weil der Kita-Vorstand ein neues Mitglied braucht und sich sonst niemand meldet, wittert Georg eine Chance, sich unverzichtbar zu machen.

Mit seiner Bewerbungsrede, in der er sich der Einfachheit halber auf die Grundsätze des Vereins beruft (solidarisches Handeln, Gender-neutrale Erziehung), gelingt es ihm, fast alle zu überzeugen. Einzig Patrizia (Anna Brüggemann) bleibt unbeeindruckt; offenbar hält sie ihn von Anfang für einen Blender. Ihre Vorahnung erweist sich als angebracht, denn was Georg nicht wusste: Er ist nun der neue Schatzmeister; und auf dem Kita-Konto findet sich die erstaunliche Summe von über 300.000 Euro.

Regisseurin Ester Amrami hat ihr Handwerk nach diversen Kurzfilmen vor allem beim ARD-Klassiker "Lindenstraße" gelernt und war fürs ZDF bereits maßgeblich an den Serien "Wir" (Staffel eins, 2021) und "Wendehammer" (2022) beteiligt; "Fang mich doch!" ist ihr erster Fernsehfilm. Sie hat Rösslers Drehbuch zwar nicht als Komödie umgesetzt, doch der Tonfall ist nicht zuletzt dank der Musik sowie der diversen satirischen Seitenhiebe auf die selbstredend sensible, aber auch etwas weltfremde Elternschaft eher heiter als dramatisch.

Das liegt auch an der Leichtigkeit, mit der Georg getreu seinem Lebensmotto "Think big, act big" sein neues Leben gestaltet. Zum Kriminellen wird er ohnehin erst, als er die Reparatur seines alten Passats nicht bezahlen kann: Weil seine Kreditkarte gesperrt ist, zückt er nach kurzem Zögern die Kita-Karte. Ab diesem Moment gibt er sich der Versuchung immer öfter hin. Um nicht länger wie ein männliches Aschenputtel unter den anderen Eltern zu wirken, ändert er erst seinen Kleidungsstil und legt sich schließlich ein teures Cabrio zu.

Geschickt nehmen Rössler, Amrami und Krauter das Publikum in Komplizenschaft, was prompt dazu führt, dass jeder Moment, in dem Georg auffliegen könnte – "Lügen haben kurze Beine" – für nicht unerhebliche Spannung sorgt. Zunächst bescheren ihm die Schwindeleien jedoch unerwartete Höhenflüge, inklusive einer Affäre mit Vorstandsmitglied Jule (Friederike Kempter). Den Moment, in dem sich die beiden das erste Mal näher kommen, hat Rössler gewitzt eingefädelt: Georg gibt eine der Wohnungen, in denen Mara putzt, als seine eigene aus, nicht ahnend, dass das teure Domizil ein "Spielzimmer" enthält, dessen Ausstattung aus "Fifty Shades of Grey" stammen könnte. Jule wiederum ist zu seiner Überraschung keineswegs schockiert, sondern äußerst angetan.

Einfälle wie diese bescheren "Fang mich doch!" eine beschwingte Kurzweiligkeit. Trotzdem ist der Film kein deutsches Pendant zu "Catch Me If You Can" (2002) von Steven Spielberg, weil sich Georgs Lage immer mehr zuspitzt. Mehrfach kann er, wenn wieder mal eine seiner Schwindeleien aufzufliegen droht, den Kopf allein dank seines Talents zur Improvisation aus der Schlinge ziehen. Dass die Sache kein gutes Ende für den Defraudanten nehmen wird, lässt sich erahnen, als der Film seine Online-Spielsucht andeutet. Einmal gewinnt er dabei sogar eine fünfstellige Summe, aber das Geld – "Wie gewonnen, so zerronnen" – ist umgehend wieder weg. Am Ende muss sich Georg zwar von allem verabschieden, was ihm lieb und teuer ist, aber Rössler gönnt ihm dennoch einen letzten Coup.