Als Strafe für dessen Ungehorsam im Paradies hat Gott Disteln und Dornen auf dem Acker wachsen lassen, den Adam nach dem Sündenfall bewirtschaften sollte. So ist es im Buch Genesis der Bibel zu lesen.
Noch heute flucht so mancher Hobbygärtner über die Acker-Kratzdistel (Cirsium arvense) mit ihren violetten Blüten. "Sie ist zwar schön, kann aber den Garten nach kurzer Zeit dominieren und eine Pflanzung ruinieren", sagt auch Sven Nürnberger, Gärtnermeister im Frankfurter Palmengarten, dem Evangelischen Pressedienst (epd).
Beseitigen lässt sie sich nur schwer. "Besser ist es, die Pflanzen zur Blüte kommen zu lassen, oft sterben sie danach von allein ab", empfiehlt darum Brunhilde Bross-Burkhardt in ihrem Buch "Lob des Unkrauts". Über blühende Disteln freuen sich auch Bienen und Schmetterlinge: Sie haben ihnen viel Nektar zu bieten, ihre lila Blüten duften nach Honig.
Disteln kommen mit trockenen Böden gut zurecht
Doch die Welt der Disteln bietet viel mehr als Acker-Kratzdisteln. In Zeiten häufigerer Dürreperioden haben Gärtner wie Nürnberger die stacheligen Pflanzen für den Garten entdeckt. Denn die meisten Disteln kommen mit trockenen Böden prima zurecht und mögen warme und sonnige Standorte. Ausnahme: Cirsium vulgare, die Gewöhnliche Kratzdistel, deren fliegende Samenschirmchen sich lieber in feuchten Böden ansiedeln. Aus der Rosette im ersten Jahr schießt im zweiten eine mannshohe Skulptur empor.
Disteln schmücken den Garten. "Geradezu monumental wartet die Eselsdistel (Onopordum acanthium) mit silbriger Bereifung auf", sagt Nürnberger. Sie wächst auch in die Breite und bedarf daher eines größeren, am besten naturnahen Gartens. Auch sie zieht Insekten an. "Disteln sind natürlich insgesamt wichtige Futterpflanzen für die Insektenwelt. Wahre Magneten", erklärt der Gärtnermeister.
Staude des Jahres 2019
Mit 230 Arten gehört die Edeldistel zu den artenreichsten Gattungen. Nürnberger hat eine Vorliebe für Edeldisteln, wie er sagt. Denn er denke vor allem in ästhetischen Kategorien: "Gestalterisch sind sie vielseitig. Ihre Kontrastwirkung ist sehr wertvoll, und viele Arten wirken skulpturhaft im Aufbau." Der Bund der Staudengärtner hat die edlen Disteln schon 2019 zur "Staude des Jahres" gekürt.
"Rühr mich nicht an", scheinen die Disteln zu drohen. Ihre Blätter laufen in spitzen Stacheln aus: Waffen gegen Fressfeinde. "Berkheya cirsifolia beispielsweise ist geradezu martialisch bestachelt", erklärt Nürnberger. Zu diesen exotischen Disteln gehöre beispielsweise die African Thistles mit zehn Zentimeter großen Korbblüten.
Nationalblume der Schotten
Die Schotten haben sich die wehrhafte Distel als Nationalblume erkoren und sogar einen Distelorden zu vergeben. In dem Volkslied "The Thistle o’ Scotland" heißt es über die Distel: "Es ist das Blümlein, das über den tosenden Sturm lacht, denn je stärker der Orkan, je grüner wächst es." Die weiß-grün marmorierte Mariendistel (Silybum) wirkt dagegen eher zahm. Sie ist ja auch nach der Jungfrau Maria benannt.
Schon in mittelalterlichen Klostergärten wurde sie angebaut und dient der Behandlung bei Leberschäden. "Legalon SIL" heißt ein Medikament, das aus Teilen der Mariendistel gewonnen wird, um die Aufnahme der giftigen Amanitine zu hemmen, die tödlich sein können, wenn man einen Grünen Knollenblätterpilz verzehrt hat. Die Mariendistel ist auch ein Schmuck für den Garten, wie die heute so beliebten Kugeldisteln. "Und im Steingarten sollte auch die Silberdistel nicht fehlen", rät Nürnberger.
Die Wilde Karde mit ihren langen Stacheln hingegen harrt noch ihrer Entdeckung. Sie ist keine Echte Distel, sondern gehört zur Familie der Kardengewächse. Ihre nahe Verwandte, die Weberkarde, hat man früher in der Textilindustrie eingesetzt: Mit ihren stacheligen Blütenköpfen wurden Wollstoffe aufgeraut.



