Der Damengarten im Kloster Ebstorf macht sich zukunftsfit

Die Äbtissin Angela Geschonke im historischen Garten des evangelischen Frauenklosters Ebstorf bei Uelzen.
Karen Miether / epd-bild
Die Äbtissin Angela Geschonke im historischen Garten des evangelischen Frauenklosters Ebstorf bei Uelzen.
Ein Paradies im Klima-Wandel
Der Damengarten im Kloster Ebstorf macht sich zukunftsfit
Damengärten sind eine norddeutsche Besonderheit: Einst dienten sie der Selbstversorgung meist adliger Klosterfrauen nach der Reformation. Im Kloster Ebstorf hat ein Gartenbau-Ingenieur die Gärten neu gestaltet - auch mit Blick auf den Klimawandel.

Andreas von Hoeren öffnet das Tor zum Garten des Klosters Ebstorf bei Uelzen. Gemeinsam mit der Äbtissin Angela Geschonke geht er über die "Bleiche", eine Rasenfläche mit hohen Bäumen, auf der in früheren Zeiten die Wäsche in der Sonne getrocknet wurde.

Gartenbau-Ingenieur Andreas von Hoeren öffnet das Tor

Der Gartenbau-Ingenieur zeigt auf die Beete dahinter, in denen sich Mohn, Phlox, Königskerzen und Lavendel im Wind wiegen. "Die Stauden konnten sich überwiegend etablieren", sagt er zufrieden. "Es ist ein wüstes, buntes Blühdurcheinander, eine Komposition wie ein Gemälde."

Umgeben von historischen Mauern findet sich in dem Kloster in der Lüneburger Heide eine Besonderheit, die es so nur in Norddeutschland gibt - die Damengärten, die von Hoeren jetzt neu gestaltet hat. Ebstorf gehört zu den 15 Frauenklöstern und Damenstiften in Niedersachsen, in denen über den Konfessionswechsel der Reformationszeit hinweg bis heute Gemeinschaften von Klosterdamen leben.

In vielen von ihnen sowie vereinzelt etwa in Brandenburg und Schleswig-Holstein gibt es noch die Gartenparzellen, die vor Jahrhunderten für die Klosterdamen angelegt wurden, wie Inken Formann erläutert, Professorin für Gartendenkmalpflege an der Leibniz Universität Hannover.

Gärten für Seele, Auge und Magen

Nach der Reformation seien die Klosterdamen nicht mehr gemeinschaftlich versorgt worden, erzählt sie. "Die gemeinsame Essenstafel wurde aufgehoben." Nun mussten die Frauen für sich selbst sorgen. "Sie führten jeweils einen eigenen Haushalt und waren darauf angewiesen, im eigenen Garten etwas anzubauen."

In ihren Gärten pflanzten und säten sie eine bunte Mischung aus Gemüse und Früchten wie Erdbeeren, kombiniert mit Blumen, die Schädlinge abhalten sollten und zugleich Schmuck für die Kirche ergaben, erläutert Formann. "Da steht immer irgendwo ein Kohlrabi, so hat Theodor Fontane Ende des 19. Jahrhunderts die Gärten beschrieben." Auch in Ebstorf wächst heute noch eine ganze Reihe des Sommergemüses. In eigenen Bereichen werden dort Gemüse und Beeren angebaut.

Zehn mal zehn Meter für jede Konventualin

Auf einem Plan zeigt die Äbtissin Geschonke, wie sich das Gelände zwischen den Klostermauern entwickelt hat. "Zu Beginn müssen es 20 Damengärten gewesen sein, acht sind heute offensichtlich erkennbar." Jede Konventualin bekam eine Parzelle von zehn mal zehn Metern zugewiesen. Zunächst waren es Töchter aus adeligem Haus oder dem gehobenen Bürgertum, die, wie Andreas von Hoeren es formuliert, "mit Sack und Pack und Belegschaft" in das Kloster zogen. Das Leben dort bot ihnen für die damalige Zeit relativ viel Selbstbestimmung, auch wenn es klare Regeln gab.

Die Äbtissin holt eine "Gartenordnung" aus ihrer Dokumenten-Sammlung, die Einzelheiten genau festlegt. "Jede Dame, die einen Garten pflegt, hat auch Anspruch auf einen Anteil an der Beerenernte und Zuweisungen an Gemüse und Obst aus dem Äbtissinnengarten und von der Bleiche", heißt es in der Ordnung aus dem Jahr 1938, die vermutlich weit ältere Vorläufer ablöste. Gemahnt wird dort unter anderem: "Das zugewiesene Gartenstück muss von Unkraut freigehalten werden."

Nur noch fünf Bewohnerinnen

Aktuell leben fünf Frauen im Ebstorfer Konvent. Doch nicht alle seien gesundheitlich dazu in der Lage, ihre Parzellen noch zu bewirtschaften, erläutert Geschonke. Sie leitet seit rund zwei Jahren das heute evangelische Kloster, das auf eine Gründung von 1160 zurückgeht. Bald war ihr klar: "Wir müssen den Garten neu denken." Über die Klosterkammer Hannover wurden dann von Hoeren und seine Frau Regine engagiert, die sich auf Gartendenkmale spezialisiert haben.

Die im September eingesetzten Heckenkirschen sind noch Sorgenkinder der beiden und entwickeln sich nicht wie erhofft. Sie sollen einmal die Ecken der Damengärten markieren - statt der Buchsbaumhecken, die dem Schädling Zünsler zum Opfer gefallen sind. Die Klimaerwärmung macht es nötig, dass es Abweichungen zu den historisch verbürgten Pflanzen gibt. "Es ist ja bekannt, dass Buchsbaum in unseren Flächen keinen Bestand mehr hat", sagt Andreas von Hoeren. "Auch durch die Wahl der Pflanzen wollen wir den Garten in die Zukunft führen."

Die von Hoerens haben die bestehenden Gärten umgewandelt, aber nicht alles herausgerissen, sondern im Bestand ergänzt. Wege zeigen jetzt auf, wo einzelne Damengärten enden. Eine Sichtachse führt von der Bleichwiese zu einer weißen Bank, die am Ende an der Mauer steht. "Es ist jetzt ein großer Garten in den Strukturen von Damengärten", beschreibt ihn die Äbtissin. "Jetzt ist es unser Garten."

Zu ihrem Konzept gehört aber auch, dass sie das private Gelände zum Beispiel bei Führungen zugänglich machen will. Das Kloster Ebstorf ist überregional berühmt durch die großformatige Ebstorfer Weltkarte aus dem 13. Jahrhundert und ein Anziehungspunkt für Touristen.