Berlin (epd). Mit ungefähr 0,5 Grad Celsius pro Jahrzehnt hat sich die Ostsee laut der Forscherin Leonie Barghorn um ein Vielfaches schneller erwärmt als die Meere im globalen Durchschnitt. Das habe nicht nur Auswirkungen auf Meeresbewohner, sondern auch auf Menschen, sagte Barghorn am Dienstag im RBB-Inforadio. Je nach Klimawandelszenario erwartet Barghorn eine Erwärmung um weitere zwei Grad Celsius bis 2100.
Wenn die Ostsee sich stärker erwärme als im Mittel, wie zuletzt im Juni, stiegen auch die Zahlen von Bakterieninfektionen bei Menschen, erklärte die wissenschaftliche Mitarbeiterin am Leibniz-Institut für Ostseeforschung in Warnemünde. Auch friere das Meer im Winter weniger ein. Zudem verstärke sich der Sauerstoffmangel im Wasser. Dadurch würden nicht nur Lebensräume von Fischen eingeschränkt, sondern zunehmend auch Tiere sterben.
Hitzerekorde bei Meeren im Juli
Sauerstoffmangel sei „ohnehin ein Problem“ in der Ostsee, da sie stark überdüngt sei und wenig Sauerstoff in die tiefere Wasserschicht vordringt. Hohe Temperaturen würden dieses Problem verstärken. Wenn es im Sommer windstill und warm sei, fehle auch in „flachen Bereichen“ bei 20 oder 30 Metern Wassertiefe Sauerstoff.
Für die Meeresoberflächentemperatur verzeichnete der EU-Klimawandeldienst Copernicus im Juli einen Spitzenwert. Der Durchschnittswert betrug demnach 20,96 Grad Celsius. Er übertraf damit den bisherigen Juli-Rekord von 20,89 Grad aus dem Jahr 2023. Erfasst wurden die Oberflächentemperaturen der Ozeane außerhalb der Polarregion.



