Die Online-Umfrage unter 2006 Erwachsenen wurde vom Meinungsforschungsinstituts INSA Consulere mit Sitz in Erfurt durchgeführt. Auftraggeber war der thüringer Wartburg-Verlag für die in Leipzig erscheinende evangelische Wochenzeitung DER SONNTAG und die in Weimar beheimatete evangelische Wochenzeitung für Mitteldeutschland, "Glaube + Heimat".
Rund ein Fünftel der Befragten wünschen sich laut Umfrageergebniss eine Orientierung bei Ethik- und Glaubensfragen. Nur neun Prozent sprechen sich für mehr politische Parteinahme aus. Mit "Weiß nicht" reagierten acht Prozent auf die gestellte Zentralfrage "Was erwarten Sie heute in Bezug auf Kirchen in Deutschland?". "Nichts", antworteten 18 Prozent, fünf Prozent machten gar keine Angaben.
Die Detailauswertung der Umfrage ergab Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschland bei der Grundhaltung, aber auch den Einzelpunkten. Hintergrund könnte die noch immer wirkende, gebietsweise flächendeckende Säkularisierung zu DDR-Zeiten sein. So hegten insgesamt 40 Prozent der im Osten Befragten (Berlin eingerechnet) gegenüber den Kirchen gar keine Erwartungen, indem sie mit "Nichts" oder "Weiß nicht" antworteten bzw. gar keine Angaben machten. Gleichlautend äußerten sich nur 28 der Befragten im Westen.
Einen stärkeren kirchlichen Einsatz für Menschen in Not und für soziale Hilfsangebote präferierten laut Umfrage 35 Prozent der im Westen Befragten, jedoch nur 30 Prozent im Osten. Andererseits sprachen sich nur 26 Prozent der im Osten Befragten für eine Reduzierung von Sonderrechten aus, während im Westen 32 Prozent dafür sind. Und mehr politische Parteinahme möchten nur acht Prozent im Westen – im Osten aber 13 Prozent.
Unterschiedliche Ansichten in den Ländern
Eine Orientierung bei Ethik- und Glaubensfragen wird wiederum stärker im Westen erwartet (20 Prozent), im Osten von nur 16 Prozent. Zugleich zeigt die Auswertung große regionale Unterschiede auf. Während zum Beispiel die Reduzierung von Sonderrechten für 35,4 Prozent der Befragten in Baden-Württemberg denkbar sind, können sich das im benachbarten Bayern nur 29,7 Prozent vorstellen, im Stadtstaat Berlin gar nur 26 Prozent und im Flächenland Brandenburg nur 23 Prozent. In Sachsen sagen dazu 27,7 Prozent "Ja", in Thüringen nur 21 Prozent. Demgegenüber wünschen sich nur 17,9 Prozent der Thüringer einen stärkeren kirchlichen Einsatz für Menschen in Not und für soziale Hilfsangebote. In Sachsen sind es demgegenüber 36,3 Prozent, was einen Spitzenwert bildet.
Auch beim Wunsch nach starker Orientierung bei Ethik- und Glaubensfragen liegt Sachsen mit 18,6 Prozent eher vorn, während eine Forderung nach mehr in Thüringen nur von 10 Prozent bejaht wird (Rheinland-Pfalz 26,6 Prozent, Niedersachsen 18 Prozent).
Freikirchen für politische Parteinahme
Der Blick auf die Antworten unter Berücksichtigung der Religionszugehörigkeit ergibt ein stark differenziertes Bild. Am stärksten werden alle Forderungen von den freikirchlichen Anhängern bejaht – besonders die politische Parteinahme –, mit Ausnahme der Reduzierung von Staatsleistungen. Es folgen die Mitglieder der römisch-katholischen Kirche. Die eingetragenen Mitglieder der evangelisch-landeskirchlichen Gemeinschaften sind gegenüber den beiden vorgenannten Gruppen in ihren Forderungen zurückhaltender.
Befragt wurden die 2006 Erwachsene im Juli in Deutschland; 1026 davon waren weiblich, 980 männlich. Die selbst angegebene Kirchen-Mitgliedschaft hält sich zwischen evangelisch und römisch-katholisch nahezu exakt die Waage (505 zu 501). 46 Menschen gaben an, freikirchlich gebunden zu sein. 104 rechneten sich dem islamischen Glauben zu. Befragungszeitraum war die 31. Kalenderwoche, die Fragen vorgegeben.



