Magdeburg (epd). Nur noch 44 Zentimeter: Die Elbe in Magdeburg hat ihren niedrigsten Wasserstand seit Beginn der Messungen im Jahr 1727 erreicht. Laut Elwis-Vorhersagesystem der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes am Pegel Strombrücke Magdeburg wurde dieser Stand am Donnerstagvormittag gemessen. Der bisher niedrigste gemessene Wasserstand der Elbe in Magdeburg datiert vom 31. Juli 2019 mit 45 Zentimetern.
Bereits in den kommenden Tagen könne der Wert weiter sinken: Für Sonntagnachmittag werden 43 Zentimeter erwartet, für Montagfrüh errechnet die Vorhersage nur noch 40 Zentimeter.
„Insgesamt lässt sich feststellen, dass wir uns in einer lang anhaltenden Niedrigwasserperiode befinden“, sagte Pavel Knotek von der Internationalen Kommission zum Schutz der Elbe (IKSE) in Magdeburg. So habe die Elbe seit dem Jahr 2015 fast in jedem Sommer für mehrere Wochen extremes Niedrigwasser.
Hungersteine haben eine lange Geschichte
Seitdem tauchen im Flussgebiet zwischen dem tschechischen Decin und Magdeburg an die 100 sogenannte Hungersteine und historische Niedrigwassermarken auf. Oft handelt es sich um markante Felsen, auf denen wie in Decin, Niedergrund (Dolni Zleb) oder Pirna-Oberposta Jahreszahlen oder auch kurze Inschriften eingemeißelt wurden. Solche Niedrigwasser gab es etwa 1516, 1707, 1842 oder 1904.
Für frühere Generationen seien dies deutliche Zeichen gewesen: „Tauchten die Steine im Fluss auf, war durch die lang anhaltende Trockenheit nicht nur wenig Wasser im Flussbett, sondern auch die Ernte gefährdet und einer Hungersnot drohte“, hieß es von der IKSE. Für die Jahre 1964 bis 2015 wurden keine solchen Niedrigwasser an der Elbe verzeichnet. Das sei auf die abmildernde Wirkung von Talsperren und Staustufen an der Moldau und anderen Flüssen im Einzugsgebiet zurückzuführen.
Elbeschifffahrt seit Monaten mit Einschränkungen
Trockenheit und niedrige Wasserstände haben dazu geführt, dass seit April kaum noch Frachtschiffe auf der Elbe zwischen Magdeburg, Dresden und der tschechischen Grenze verkehren. Selbst die Fahrgastschifffahrt in Magdeburg musste seit dem 14. Juni vom innerstädtischen Anleger Petriförder zum Schiffshebewerk im Norden der Stadt verlegt werden, sagte der Geschäftsführer der Weißen Flotte Magdeburg, Hardy Puls.
Dank der Niedrigwasserschleuse könne der Magdeburger Hafen unabhängig vom Wasserstand der Elbe Güterschiffe be- und entladen, die über den Mittellandkanal Magdeburg ansteuern - während die Häfen in Riesa oder Dresden wortwörtlich „auf dem Trockenen“ sitzen. Am Schiffshebewerk Rothensee kann auch die Weiße Flotte weiterhin Schiffsfahrten im Kanal und bis zur Schleuse Niegripp im Jerichower Land durchführen, sagte Puls. Erst ab einem Pegel von mindestens 65 Zentimetern könnten die Fahrgastschiffe wieder auf der Stadtstrecke fahren.
Wasserentnahmen verschärfen Tiefstände
Pavel Knotel verwies aber noch auf einen Menschen gemachten Faktor, der die Wasserstände verringert: Demnach gewinnt Dresden noch immer etwa die Hälfte seines Trinkwasserbedarfs aus dem Uferfiltrat der Elbe oder aus dem Grundwasser, das zur Elbe zufließt. „Ebenfalls die Fernwasserversorgung Elbaue-Ostharz bezieht bei Torgau das Rohwasser für die Kunden in Sachsen aus dem Uferfiltrat der Elbe“, sagte Knotel.



