Greenpeace: Überdüngung raubt dem Leben in der Ostsee den Sauerstoff

Greenpeace: Überdüngung raubt dem Leben in der Ostsee den Sauerstoff
In der Ostsee gibt es laut Greenpeace viele tote Zonen. Ursache ist laut der Umweltorganisation Überdüngung. Auch eine verantwortliche Branche benennen die Umweltschützer.

Hamburg (epd). Die Ostsee leidet laut Greenpeace massiv unter Überdüngung. An vielen Stellen seien tote Zonen zu finden, in denen weder Fische noch Pflanzen überleben können, teilte die Umweltschutzorganisation am Dienstag in Kiel mit. Das bestätigten erste Ergebnisse einer viertägigen Schiffstour. Verantwortlich sei die intensive Landwirtschaft, vor allem die industrielle Tierhaltung.

Greenpeace arbeitet nach eigenen Angaben für die Tour vor der Küste Schleswig-Holsteins mit der Crew des Forschungsseglers „Malizia Explorer“ von Berufs-Segelsportler Boris Herrmann zusammen. „Die ersten Ergebnisse vom Grund der Kieler Förde bieten Grund zur Besorgnis“, sagte Greenpeace-Landwirtschaftsexperte Lasse van Aken. „Die Überdüngung raubt jeglichem Leben in der Ostsee den Sauerstoff.“

Greenpeace fordert Korrektur des Düngerechts

Laut Greenpeace sind mehr als 90 Prozent der Ostsee überdüngt. Die Umweltschützer fordern von Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer (CSU) eine grundlegende Korrektur des Düngerechts.

„Der Staat muss wissen, wer wie viele Nährstoffe ausbringt. Sich nur auf das Wort der landwirtschaftlichen Betriebe zu verlassen, wie Minister Rainer es vorhat, ist unverantwortlich“, erklärte van Aken. Der CSU-Politiker habe etwa die sogenannte Stoffstrombilanz kurz nach seinem Amtsantritt abgeschafft. Diese Bilanz helfe, Stickstoffüberschüsse auf Betriebsebene zu erfassen. Durch das Verursacherprinzip hätten Landwirtinnen und Landwirte, die zu viel düngen, zur Verringerung verpflichtet werden können.

Taucher filmen tier- und pflanzenlosen Meeresgrund

Greenpeace-Forschende messen den Angaben zufolge in den kommenden Tagen in den Küstengewässern der Flensburger und Eckernförder Bucht den Sauerstoffgehalt des Meeres. Werte unter vier Milligramm pro Liter setzten viele Meeresbewohner unter Stress, informierte Greenpeace. Sinke die Menge gelösten Sauerstoffs im Wasser auf unter zwei Milligramm pro Liter, können tote Zonen entstehen. Ein Roboter dokumentiere den Meeresboden, Taucherinnen und Taucher würden den tier- und pflanzenlosen Grund filmen.