Angesichts des geplanten bundesweiten Alkoholverbots an Bahnhöfen befürchtet die Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe neue Härten für obdachlose Menschen mit Alkoholsucht. "Ein Verbot verändert nicht die Lebenslage der Menschen, die sich am Bahnhof aufhalten, sondern verdrängt sie lediglich aus dem Blickfeld", sagte Vize-Geschäftsführer Joachim Krauß dem "RedaktionsNetzwerk Deutschland" (Mittwoch).
Der Bahnhof gehöre für viele zu den wenigen witterungsgeschützten und gut zugänglichen öffentlichen Orten. "Durch das Verbot werden die Menschen in Bereiche gedrängt, die weniger Schutz bieten und weniger Anschluss an das Hilfesystem haben", sagte Krauß. In Hamburg, wo ein entsprechendes Verbot bereits gilt, habe man die Erfahrung gemacht, dass die Menschen in angrenzende Stadtteile verdrängt worden seien.
Die dadurch entstandene öffentliche Aufmerksamkeit habe allerdings auch einen positiven Nebeneffekt: Die Stadt Hamburg baue inzwischen niedrigschwellige Hilfeangebote in unmittelbarer Bahnhofsnähe aus, fügte Krauß hinzu. Er plädierte für aufsuchende Ansätze wie Streetwork, um den obdachlosen Menschen zu helfen.
Die Deutsche Bahn hatte am Dienstag ein Alkoholverbot für alle 5.400 Bahnhöfen in Deutschland angekündigt. Die neue Regel soll ab dem 15. Oktober für alle Bahnsteige und Bahnhofshallen außerhalb der Gastronomiebereiche gelten.



