Vaterschaft von Jens Spahn per Leihmutter löst Kritik aus

Vaterschaft von Jens Spahn per Leihmutter löst Kritik aus
Jens Spahn und sein Mann sind Eltern geworden, mithilfe einer Leihmutter in den USA. Der evangelische Theologe Peter Dabrock findet das nicht nur aufgrund der früheren Position Spahns gegen die Legalisierung der Leihmutterschaft "bedenklich".
16.07.2026
epd
Von Corinna Buschow und Franziska Hein (epd)

Berlin (epd). Der evangelische Theologe und Ethiker Peter Dabrock hat den Umgang von Jens Spahn (CDU) und dessen Ehemann mit dem Thema Leihmutterschaft kritisiert. „Ich finde bedenklich, wenn einer der mächtigsten Menschen der Republik sich in diese rechtliche Grauzone begibt“, sagte der frühere Vorsitzende des Deutschen Ethikrats dem Evangelischen Pressedienst (epd) am Donnerstag.

„Öffentliche Personen wie Jens Spahn haben auch eine öffentliche Verantwortung“, sagte Dabrock. „Es bleibt ein Gefühl der Betrübnis, dass sich jemand da etwas herausnimmt, weil er das Geld, die Position, die Möglichkeit dazu hat.“ Spahn hatte in der Vergangenheit selbst die Legalisierung der Leihmutterschaft in Deutschland abgelehnt.

Dabrock: Diskrepanz zwischen Politiker und Privatperson

Daniel Funke, Mann des Unionsfraktionsvorsitzenden Jens Spahn, hatte am Mittwoch auf der Plattform Instagram ein Foto von sich und Spahn mit Kinderwagen und den Worten „We are family“ veröffentlicht. Der „Bild“ (Donnerstag) bestätigte Funke, dass das Kind von einer Leihmutter zur Welt gebracht wurde. Der Zeitung zufolge wurde das Kind in den USA geboren, wo Leihmutterschaft anders als in Deutschland erlaubt ist. Spahn wollte sich auf epd-Anfrage nicht äußern.

Aus seinem Umfeld verlautete laut „Focus“, der CDU-Politiker leite „grundsätzlich aus seinem Privatleben keine politischen Forderungen ab“. Für die USA-Entscheidung sei auch die rechtliche und wirtschaftliche Situation der Leihmutter ausschlaggebend gewesen. Leihmutter kann laut dem Magazin dort nur werden, wer finanziell unabhängig ist, bereits eigene Kinder und ein geordnetes Familienleben hat.

In Deutschland machen sich Ärzte nach dem Embryonenschutzgesetz strafbar, die eine Leihmutterschaft herbeiführen. Auch die Vermittlung von Leihmüttern ist unter Strafe gestellt. Nicht strafbar machen sich hingegen die „Wunscheltern“. Ein Sprecher des Bundesfamilienministeriums sagte den Zeitungen der Funke Mediengruppe, die Rechtslage in Deutschland sei klar geregelt, eine Änderung der aktuellen Rechtslage nicht vorgesehen.

SPD-Abgeordnete und Senioren-Union kritisieren Spahn

Die SPD-Bundestagsabgeordnete Carmen sprach sich hingegen im „Spiegel“ für die Einführung einer altruistischen Leihmutterschaft, also ohne Bezahlung, „in engen Grenzen auch in Deutschland“ aus. Sie kritisierte Spahn und dessen Mann: „Wer es sich finanziell leisten kann, wählt den Weg über eine Leihmutter im Ausland, anstatt sich beispielsweise für ein Pflege- oder Adoptivkind zu öffnen.“ Bei Auslands-Leihmutterschaften seien Frauen häufig „nur unzureichend vor gesundheitlicher und finanzieller Ausbeutung“ geschützt.

Auch der Vorsitzende der Senioren-Union, Hubert Hüppe, kritisierte in zwei Interviews Spahns Familiengründung per Leihmutterschaft. Im „Spiegel“ verwies er auf die Instrumentalisierung von Frauen, im „Focus“ auf die Haltung der Union, Frauen und Kinder nicht „zu einer Ware zu machen“. Hüppe drängte im „Spiegel“ darauf, Leihmutterschaft im Ausland in Deutschland unter Strafe zu stellen.

Frauen Union verweist auf Partei-Beschluss

Die Frauen Union lehnt eine Änderung der geltenden Rechtslage ab, wie eine Sprecherin dem epd mitteilte. Sie verwies auf einen CDU-Beschluss. Der CDU-Parteitag hatte im Februar einem Antrag der Frauen Union zugestimmt, in dem es heißt, dass die Partei angesichts „ethischer, rechtlicher und praktischer Bedenken“ ihre Forderung bekräftigt, „Leihmutterschaft - auch in altruistischen Modellen - in Deutschland weiterhin zu verbieten“.

Dabrock sagte zu Spahns früherem Nein zur Leihmutterschaft: „Ich tue mich schwer mit der hier offenkundigen Diskrepanz zwischen dem Politiker, der Regeln für andere mitgestaltet, und der Privatperson, die das überhaupt nicht schert.“ In Kalifornien eingegangene Elternschaften würden „in Deutschland ohne Probleme anerkannt“. Sie kosteten deutlich mehr als in der Ukraine vermittelte Leihmutterschaften, wo es entsprechende Rechtsabkommen nicht gebe. „Es geht hier also nicht nur um das Verständnis für ungewollt kinderlose und homosexuelle Paare, sondern auch die Frage, wer sich das leisten kann“, sagte der Ethik-Professor an der Universität Erlangen-Nürnberg.