Katastrophenhilfe: Zivilgesellschaft an Hochwasservorsorge beteiligen

Katastrophenhilfe: Zivilgesellschaft an Hochwasservorsorge beteiligen
Fünf Jahre nach der Flutkatastrophe in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz sind die Hilfsgelder verteilt. Organisationen wie die Diakonie Katastrophenhilfe sind aber weiter vor Ort. Sie setzen den Fokus nun auf Prävention.
08.07.2026
epd
epd-Gespräch: Claudia Rometsch (epd)

Düsseldorf (epd). Die Zivilgesellschaft sollte aus Sicht der Diakonie Katastrophenhilfe (DKH) besser in den Katastrophenschutz eingebunden werden. „In Deutschland wird die Zivilgesellschaft im Hinblick auf den Schutz vor den Folgen von Unwettern immer noch als passive Gruppe wahrgenommen“, sagte der Fluthilfekoordinator des evangelischen Hilfswerks, Markus Koth, dem Evangelischen Pressedienst (epd). Dabei könnten Bürgerinnen und Bürger sehr viel selbst beitragen: „Da gibt es ein Potenzial zu bergen.“

Nach fünf Jahren Arbeit in den Hochwassergebieten in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz habe die Diakonie Katastrophenhilfe Rheinland-Westfalen-Lippe den Fokus ihrer Hilfe auf die Prävention gelegt, berichtete Koth. Dabei arbeite die DKH daran, zivile Organisationen mit den behördlichen Strukturen des Katastrophenschutzes zu verknüpfen. Das zu nutzen, sei wichtig, weil die Herausforderungen für die Zivilgesellschaft zunähmen: „Man denke an die Folgen des Klimawandels oder aber an die Verletzlichkeit von Infrastrukturen, wie sie der Stromausfall im Januar in Berlin gezeigt hat.“

Die staatlichen Strukturen entlasten

In drei Quartiersprojekten in den nordrhein-westfälischen Städten Erftstadt und Eschweiler sowie in der Gemeinde Hönningen an der Ahr in Rheinland-Pfalz habe die DKH den Schwerpunkt ihre Arbeit darauf verlagert, den Katastrophenschutz mit Hilfe bürgerschaftlichen Engagements zu stärken, erklärte Koth. Dabei würden Katastrophenschutz-Anlaufstellen aufgebaut. Sie sollen im Katastrophenfall einen warmen Zufluchtsort bieten, an dem Menschen etwa mit Strom oder Erster Hilfe versorgt werden können. Partner sind unter anderem Kirchengemeinden, Bürgervereine und die lokale Wirtschaft.

In Erftstadt etwa gebe es eine Kooperation mit einem Schützenverein, dessen Räume für den Katastrophenfall ausgestattet würden, unter anderem mit einem Generator, sagte Koth. Im Ahrtal werde mit Unterstützung der DKH eine Schutzhütte so hergerichtet, dass sie im Fall einer Flut als Anlaufstelle für die Bevölkerung dienen könne. „Wir wollen dabei nicht mit den Katastrophenschutzbehörden konkurrieren, sondern vielmehr die staatlichen Strukturen entlasten“, betonte Koth.

Den Blick nach vorne richten

Die Präventionsprojekte an den drei Standorten sind die letzte Stufe der mittlerweile fünfjährigen Hilfe der Diakonie Katastrophenhilfe in den Hochwassergebieten. Nahezu alle Spendengelder in Höhe von 47,9 Millionen Euro wurden inzwischen ausgegeben oder sind in den noch laufenden Projekten verplant. Kurz vor dem Jahrestag stellten die mobilen Einsatzteams, die vor Ort in der Antragsberatung tätig waren und psycho-soziale Angebote schufen, in den Flutregionen ihre Arbeit ein. „Wir wollen nun den Blick nach vorne richten“, sagte Koth. „Und ich habe das Gefühl: Das ist es, was die Menschen in der Region jetzt auch wollen.“