Union uneins bei längeren Ladenöffnungen an Sonntagen

Union uneins bei längeren Ladenöffnungen an Sonntagen
Nach einem Vorstoß von Vertretern des Einzelhandels debattiert auch die Politik: Soll mehr Einkaufen an Sonntagen möglich werden? Die Meinungen sind gespalten, auch in der Union.
07.07.2026
epd
Von Karsten Frerichs (epd)

Frankfurt a.M. (epd). In der Debatte um mehr und längere Ladenöffnungen an Sonntagen haben sich Mitglieder der Unionsfraktion im Bundestag gegensätzlich positioniert. Während sich der Vorsitzende des Wirtschaftsausschusses im Bundestag, Christian von Stetten, für eine Ausweitung der Einkaufszeiten an Sonntagen aussprach, warnte der Vorsitzende der Arbeitnehmergruppe in der Unionsfraktion, Stefan Nacke (beide CDU), vor einer „schleichenden Abschaffung der Sonntagsruhe“.

„Wer den Sonntag zum gewöhnlichen Einkaufstag machen will, verwechselt Modernisierung mit Dauerverfügbarkeit. Die Sonntagsruhe schützt Beschäftigte, Familien und das gemeinsame gesellschaftliche Leben“, sagte Nacke der „Zeit“ für einen am Dienstag online veröffentlichten Beitrag.

Kubicki verweist auf „sterbende Innenstädte“

Stetten hatte zuvor der „Bild“-Zeitung (Dienstag) gesagt: „Der Bundestag entscheidet über die Sonntagsarbeitszeiten und die Bundesländer über die Sonntagsöffnungszeiten. In beiden Fällen bin ich für eine großzügige Ausweitung der bisherigen Regelungen.“ FDP-Chef Wolfgang Kubicki sagte der Zeitung: „Eine echte Flexibilisierung wäre dringend notwendig. Wer Läden zwangsweise geschlossen halten will, darf sich nicht über sterbende Innenstädte beschweren.“

Der CDU-Politiker Nacke indes verwies auf die christlichen Wurzeln seiner Partei: „Das 'C' in unserer Politik erinnert uns daran, dass Arbeit Grenzen braucht und dass es Zeiten geben muss, die nicht vollständig ökonomisiert werden.“ Es gebe auf Landesebene und in Gemeinden bereits Möglichkeiten für verkaufsoffene Sonntage. Das sei der richtige Rahmen.

Evangelische Kirche: Freier Sonntag wertvoll für alle

Den Sonntagsschutz betont auch die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD). Der freie Sonntag sei für die Gesellschaft als Ganzes wertvoll, unabhängig davon, ob ein Mensch an Gott glaubt oder nicht, sagte ein EKD-Sprecher der in Düsseldorf erscheinenden „Rheinischen Post“ (Dienstag). „Es braucht einen Tag in der Woche, an dem möglichst viele Menschen gleichzeitig frei haben“, ergänzte er.

Zu Wochenbeginn hatten sich mehrere Vertreter des Einzelhandels dafür ausgesprochen, mehr Ladenöffnungen an Sonntagen zu erlauben. Die schwarz-rote Bundesregierung will Bäckereien, Konditoreien und Bibliotheken längere Öffnungszeiten an Sonntagen ermöglichen. Pläne für andere Branchen gibt es derzeit aber nicht.