Am Anfang war es ein Konzert in der örtlichen Kiesgrube mit 800 Leuten. Heute pilgern jährlich rund 85.000 "Metalheads" aus aller Welt zum "Wacken"-Festival in Schleswig-Holstein. Die Initiatoren Thomas Jensen und Holger Hübner werden im Juli beide 60 und erzählen, was die "Heavy-Metal-Familie" zusammenhält und warum das Engagement der Kirchen auf dem Festival wichtig ist.
Heavy-Metal-Musik ist generationenübergreifend seit fast 50 Jahren erfolgreich. Wie kann man sich dieses Phänomen erklären?
Thomas Jensen: Weil die Musik so gut ist! (lacht). Heavy Metal ist immer jung geblieben und hat sich immer wieder neu erfunden. Für Außenstehende ist die Faszination nicht nachzuvollziehen. Wenn man es nicht fühlt, wird man es auch nicht verstehen. Es gibt da trotz ganz verschiedener musikalischer Facetten eine Klammer, ein verbindendes Element, das für mich eben nur Hard Rock und Heavy Metal hat. "Wacken" ist schon die Utopie einer besseren Welt. Es zeigt, dass Zusammenleben und Spaß mit anderen zu haben möglich ist. Den "Spirit" wollen wir erhalten.
Das "Wacken"-Festival setzt sich für Solidarität und Gemeinschaft ein, etwa mit dem barrierefreien Campingplatz "Wheels of Steel". Warum ist Ihnen der soziale Aspekt wichtig?
Holger Hübner: Wir kommen ja vom Dorf, da hat man einfach einen anderen sozialen Zusammenhalt als in der Stadt. Jeder kennt jeden. Wir sind das kleine gallische Dorf, sitzen um den Zaubertrank herum und freuen uns auf das Festival. Nicht nur Wacken selbst, sondern die ganze Region profitiert davon. Wir sagen uns: Was gut ist für das Festival, muss auch gut für die Gemeinde und die Umgebung sein. So arbeiten wir seit mehr als 35 Jahren.
Kirche und Heavy-Metal-Musik haben sich lange Zeit nicht vertragen. Warum ist es Ihnen wichtig, dass die Kirche bei "Wacken" dabei ist?
Jensen: Wir haben immer versucht, einen guten Kontakt zur Kirche zu halten. Im Dorf Wacken hat die Kirche ihren festen Platz mitten im Dorf. Gerade auf dem Land geht es um Zusammenhalt. Ich muss nicht mit allem konform sein, es kann auch mal kontrovers diskutiert werden. Aber wichtig ist doch, dass man zusammenkommt.
Hübner: Wir sind in der Kirche in Wacken getauft und konfirmiert worden, haben dort geheiratet und unsere Kinder getauft. Die Nachfrage nach Seelsorge auf dem Festival wird eher mehr als weniger: Die Leute haben ihre Probleme, Sorgen und Nöte. Sie gehen erstmal zum Seelsorger, befreien sich von ihrer Last. Dann gehen sie auf den Campingplatz, bauen ihre Zelte auf, trinken ihr Bier und freuen sich des Lebens. Wir versuchen, die Menschen glücklich zu machen und da gehört eben dazu, dass sie sich von aller Last befreien können. Ein Festival ist die beste Möglichkeit, mit einer tollen Community, die hilft, jemanden wieder stabil zu machen.




