Lauterbach sieht gute Chance auf Widerspruchslösung bei Organspende

Lauterbach sieht gute Chance auf Widerspruchslösung bei Organspende
Ex-Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) kritisiert in einem Interview unter anderem "religiöse Argumente" in der Diskussion über das Thema Organspende. Dennoch sieht er eine bessere Chance auf Einführung der Widerspruchslösung.

Berlin (epd). Der frühere Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) rechnet beim Thema Organspende mit der Einführung einer Widerspruchslösung noch in diesem Jahr. „Ideal wäre es, wenn der Bundestag im Herbst endgültig die Widerspruchslösung beschließen würde“, sagte der Gesundheitsminister der von 2021 bis 2024 regierenden Ampel-Koalition aus SPD, Grünen und FDP den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Samstag).

Aktuell gilt in Deutschland die sogenannte Zustimmungsregelung. Organe dürfen einer Person nach Eintreten des Hirntodes nur dann entnommen werden, wenn sie dem vor dem Tod ausdrücklich zugestimmt hat oder wenn Angehörige einwilligen. Hierzulande werden allerdings deutlich weniger Organe gespendet als benötigt werden.

Wer nicht widersprochen hat, soll als Spender infrage kommen

In der nächsten Woche steht das Thema zum wiederholten Male auf der Tagesordnung des Bundestags. Eine fraktionsübergreifende Abgeordnetengruppe schlägt vor, das geltende Prinzip umzukehren: Organspender sollen demnach alle sein, die zu Lebzeiten nicht ausdrücklich widersprochen haben. 2020 hatte der Bundestag die Widerspruchslösung noch abgelehnt.

Auch Lauterbach befürwortet die Widerspruchslösung. „Es ist doch nicht zu vermitteln, weshalb wir mit unserem teuren Gesundheitswesen es nicht schaffen, Menschen, die Organe benötigen, das Leben zu retten“, sagte der Ex-Gesundheitsminister. Der Fall der norwegischen Kronprinzessin Mette-Marit, die nach kurzer Wartezeit eine Spenderlunge erhalten hatte, könne dabei helfen, erklärte er.

Ex-Minister kritisiert ideologische Überhöhung

Der SPD-Politiker bekräftigte zwar, dass eine „gründliche Debatte“ nötig sei und es um eine Gewissensentscheidung gehe. Er beklagte aber, das Thema werde „oft ideologisch überhöht, es kommen religiöse Argumente ins Spiel oder es wird mit irrationalen Ängsten argumentiert“. Lauterbach verwies auf das existierende Organspende-Register, das zuverlässig funktioniere und ausschließe, „dass jemand versehentlich zum Spender wird“.