Kliniken fehlt das Geld für Hitzeschutz

Hitzewelle in Kliniken
Christoph Reichwein/dpa/Christoph Reichwein
In vielen Kliniken muss aufgrund fehlender Investitionen gegen den Hitzestau improvisiert werden.
Alarmierender Appell
Kliniken fehlt das Geld für Hitzeschutz
Immer mehr Hitzetote in Deutschland, doch die Kliniken sehen sich schlecht vorbereitet. Warum Krankenhäuser jetzt Milliarden für Hitzeschutz fordern und weshalb sich die Lage ohne externe Gelder zuspitzen wird.

Die Zahl der Hitzetoten in Deutschland ist seit Jahresbeginn laut Robert Koch-Institut auf rund 9.800 Menschen gestiegen (Stand Mitte Juli). Angesichts der wachsenden Belastung durch Hitzewellen für den Betrieb von Kliniken warnt die Krankenhausgesellschaft Nordrhein-Westfalen (KGNW) jedoch vor überzogenen Erwartungen.

"Es gibt leider für NRW - und auch bundesweit - bis heute kein flächendeckendes Investitionsprogramm für Hitzeschutz- und Klimaanpassungsmaßnahmen", sagte KGNW-Präsident Ingo Morell in Düsseldorf. "Wenn es jetzt darum geht, über konkrete Maßnahmen für einen effektiven Hitzeschutz zu sprechen und verbindlichere Standards festzulegen, muss man nüchtern auch die damit verbundene Finanzierungsfrage ehrlich beantworten."

Die Krankenhäuser hätten im Rahmen ihrer Möglichkeiten bereits individuelle Hitzeschutzkonzepte erarbeitet und entwickelten diese immer wieder fort, erklärte er. Maßnahmen zu einem besseren Hitzeschutz würden aber "nur funktionieren, wenn sie durch zusätzliche finanzielle Mittel sowohl bei den Investitionen als auch bei den Betriebskosten abgesichert werden".

Umfassender Hitzeschutz erfordert Milliardenbetrag

Die KGNW habe bereits 2022 mit zwei wissenschaftlichen Gutachten zum Klimaschutz den finanziellen Rahmen beschrieben: Die energetische Sanierung der Gebäudehüllen als zentrale Maßnahme erforderte schon damals in NRW rund 6,3 Milliarden Euro Investitionsmittel.

Für moderne Lüftungstechnik veranschlagten die Gutachter in diesem Kontext zudem 460 Millionen Euro. Da die Kliniken diese Stummen nicht allein stemmen könnten, brauche es für einen flächendeckenden Hitzeschutz "ein spezielles zusätzliches Förderprogramm", betonte der Krankenhausvertreter.

Der KGNW-Präsident verwies überdies auf die erneute Schwächung der Krankenhäuser, denen die Bundesregierung durch die Reform der gesetzlichen Krankenversicherung und den Wegfall des nur befristeten Inflationsausgleichs bis zu 8,6 Milliarden Euro entziehe. Kliniken in NRW treffe dies mit etwa 1,8 Milliarden Euro.

"Das bedeutet, dass jedes Krankenhaus für 2027 und die folgenden Jahre versuchen muss, ein hohes Millionendefizit auszugleichen", betonte Morell. "In dieser Situation wird es keine Spielräume für zusätzliche Investitionen geben."