Klimakrise: Marine Hitzewellen setzen der Arktis zu

Klimakrise: Marine Hitzewellen setzen der Arktis zu
Immer häufiger gibt es in Ozeanen Hitzewellen. Schon geringe Erwärmungen in der Arktis lösen laut Forschenden globale Folgen aus. Um diese abschätzen zu können, seien dringend weitere Untersuchungen nötig.

Bremerhaven (epd). Die Arktis entwickelt sich laut einer Studie des Bremerhavener Alfred-Wegener-Instituts zunehmend zu einem Hotspot mariner Hitzewellen. Die Dauer, Intensität und Häufigkeit solcher Hitzewellen habe seit den 1980er Jahren deutlich zugenommen, teilte das Institut am Freitag mit. Bei den Hitzewellen 2007 und 2020 habe der Arktische Ozean wegen der extrem geringen Eisbedeckung fast doppelt so viel Sonnenenergie aufgenommen wie sonst üblich. Schon geringe Erwärmungen könnten die Lebensvielfalt in der Arktis und das Klima global beeinflussen.

Nach Angaben der Forschenden können die Temperaturen an der Meeresoberfläche während solcher Ereignisse bis zu vier Grad Celsius über dem saisonalen Durchschnitt liegen. Besonders betroffen seien die Randmeere der Arktis. Dort träten marine Hitzewellen etwa doppelt so häufig auf wie im globalen Durchschnitt. Die bislang längste bekannte Hitzewelle sei 2016 in der Barentssee registriert worden und habe mehr als 480 Tage angedauert.

Arktis: Wärme kann aus der Tiefe aufsteigen

Als wichtigste Ursachen nennen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler die fortschreitende Erwärmung der Ozeane und den Rückgang des Meereises. Die Aufnahme von Sonnenenergie werde durch die dunkle Meeresoberfläche verstärkt. Im Arktischen Ozean könnten Hitzewellen auch aus der Tiefe aufsteigen, was sie grundlegend von Hitzewellen in anderen Ozeanen unterscheiden. In der Arktis zirkuliere das aus dem Atlantik einströmende warme Wasser in den tieferen Schichten. Stürme könnten diese wärmeren Wassermassen aus tieferen Schichten des Ozeans an die Oberfläche befördern und dort Hitzeereignisse auslösen oder verstärken.

Die Studie verweist zudem auf erhebliche Wissenslücken. Während marine Hitzewellen in anderen Weltregionen inzwischen intensiv untersucht werden, fehlten für die Arktis umfassende Analysen zu Ursachen, Auswirkungen und Wechselwirkungen. Angesichts der Erwartung, dass solche Extremereignisse weiter zunehmen werden, sähen die Forschenden dringenden Bedarf für zusätzliche Untersuchungen.