Gesundheitsminister setzen auf Primärversorgung durch Hausärzte

Gesundheitsminister setzen auf Primärversorgung durch Hausärzte
Die für Gesundheit zuständigen Ministerinnen und Minister aus den Bundesländern fordern Bundesgesundheitsministerin Warken auf, die Rolle der Hausärzte bei der Patientensteuerung auszubauen.
11.06.2026
epd
Von Michael Grau (epd)

Hannover (epd). Die Gesundheitsministerkonferenz will die Primärversorgung durch Haus- und Kinderärzte stärken. Sie sollten künftig zur zentralen Anlaufstelle werden und die Behandlung koordinieren, sagte der niedersächsische Gesundheitsminister Andreas Philippi (SPD) als amtierender Konferenzvorsitzender am Donnerstag in Hannover zum Abschluss zweitägiger Beratungen. Ein solches Modell sei im Koalitionsvertrag der schwarz-roten Bundesregierung bereits vorgesehen.

„Wir brauchen viele gut ausgebildete Allgemeinmediziner, Kinderärzte und Internisten, die die Menschen an der Basis behandeln und auf der ersten Ebene feststellen, was der nächste Schritt ist“, sagte Philippi. Wie „Stellwerker“ sollten sie die Patientenströme steuern und die Menschen möglichst schnell zu Fachärzten wie Orthopäden, Dermatologen und Onkologen vermitteln. In einem einstimmigen Beschluss forderten die Ministerinnen und Minister aus den Bundesländern die Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) auf, ein solches Modell zügig auf den Weg zu bringen.

Referentenentwurf für Ende des Sommers erwartet

Warken kündigte für Ende des Sommers einen Referentenentwurf dazu an, der schon weit vorangeschritten sei. Dabei sollten auch die Apotheken eine besondere Rolle erhalten, indem sie etwa Impfungen und Check-ups übernehmen. Zudem will Warken das neue Berufsbild der Gesundheits- und Pflegeexpertin schaffen. Besonders ausgebildete Krankenschwestern sollen dabei wichtige Aufgaben erhalten. Durch mehr Digitalisierung soll das Modell an Fahrt gewinnen. Das Konzept soll zunächst in Modellregionen erprobt werden: „Erste Wirkungen werden die Menschen im Jahr 2028 spüren“, sagte Warken, die als Gast an der Gesundheitsministerkonferenz teilnahm.

Im Blick auf die umstrittenen Kürzungspläne für die Finanzierung der Krankenhäuser zeigte sich Warken gesprächsbereit. „Es geht jetzt darum zu sehen, wo Änderungsbedarf ist und wie wir auch das Ziel erreichen können, das Sparvolumen zu heben“, sagte sie. Dafür wolle sie gemeinsam mit den Ländern Lösungen suchen.

Diskussion um Krankenhaus-Finanzierung

Die Bundesministerin stellte jedoch klar: „Der finanzielle Spielraum ist gering.“ In der gesetzlichen Krankenversicherung müssten große Lücken gestopft werden. Am ehesten sehe sie Chancen, bürokratische Vorgaben abzubauen, sodass die Krankenhäuser mehr „Beinfreiheit“ bekämen und flexibler handeln könnten. Minister Philippi kündigte einen Länder-Antrag im Bundesrat an, um Verbesserungen für die finanziell klammen Krankenhäuser zu erreichen.

Die Bundesministerin hatte angekündigt, dass Tarifsteigerungen beim Krankenhauspersonal von der gesetzlichen Krankenversicherung künftig nicht mehr voll refinanziert werden sollen, um die Beiträge stabil zu halten. Dagegen hatten am Mittwoch in Hannover rund 8.000 Beschäftigte aus Krankenhäusern und Pflegeheimen lautstarken Protest erhoben. Sie sehen die Existenz vieler Kliniken bedroht und die Versorgung gefährdet.