USA: Südliche Baptisten wählen konservativen neuen Präsidenten

USA: Südliche Baptisten wählen konservativen neuen Präsidenten
Die Jahresversammlung der Südlichen Baptisten in den USA hat am Dienstag einen neuen Präsidenten gewählt. Der gewählte Pastor Willy Rice gilt als konservativer Kirchenmann.

Washington (epd). Der Südliche Baptistenverband (SBC) aus den USA hat einen neuen Präsidenten. Die Jahresversammlung des theologisch und politisch konservativ eingestellten Verbandes wählte am Dienstag (Ortszeit) in Orlando in Florida den 62-jährigen Willy Rice in das Amt. Der Pastor der Calvary Baptistenkirche in Clearwater (Florida) erhielt 57,56 Prozent der abgegebenen 9.063 Stimmen. Sein Kontrahent Josh Powell 42,16 Prozent. Beide Männer gelten als konservative Kirchenvertreter.

Rice hatte bereits 2022 kandidiert. Er trat damals allerdings vor der Abstimmung nach Medienberichten zurück, die Calvary Gemeinde habe trotz existierender Vorwürfe des sexuellen Fehlverhaltens einen Diakon geweiht. Das Thema Missbrauch beschäftigt die Baptisten seit mehr als fünf Jahren. 2022 kam eine von der SBC in Auftrag gegebene Untersuchung zum Schluss, die SBC habe Missbrauchsopfer jahrelang ignoriert, eingeschüchtert und diffamiert. Die SBC-Führung sei mehr am Schutz der Kirche interessiert gewesen als am Aufdecken von Missbrauch.

Neuer Präsident gegen Frauen im Pastorenamt

Ein Beitrag im Informationsdienst „Religion News Service“ am Dienstag bezeichnete Rice als „Missbrauchskrisenskeptiker“. Rice hat sich auch entschieden für die Beibehaltung der Vorschriften der Kirche gegen Frauen im Pastorenamt ausgesprochen. Auf seiner Webseite klagte er, die „soziale Revolution“ der vergangenen 25 Jahre habe die „biblische Wahrheit über Gender und Sexualität“ attackiert. Man habe sich im Jahr 2000 nicht vorstellen können, wie weit diese Angriffe reichen würden.

Rice löst den seit zwei Jahren amtierenden Pastor Clint Pressley als Präsident ab. „Die Welt um uns herum“ bewege sich in Richtung Verderbtheit, sagte Pressley in seiner Ansprache. Die „matschige Mitte“ des Christentums könne dem nicht entgegentreten. Dazu brauche es ein „überzeugtes Christentum“.

Mitgliederverlust wie bei vielen protestantischen Kirchen

Wie die meisten protestantischen Kirchen verlieren die Südlichen Baptisten seit vielen Jahren Mitglieder. Nach Angaben des kirchlichen Informationsdienstes Baptist Press ist die Mitgliederzahl 2025 um drei Prozent auf 12,3 Millionen gegenüber dem Vorjahr zurückgegangen. 46.608 Gemeinden gehörten im vergangenen Jahr zum Südlichen Baptistenverband, 268 weniger als 2024.