Berlin, Bogotá (epd). In Kolumbien hat das Oberste Gericht in letzter Instanz den Bruder von Ex-Präsident Álvaro Uribe zu 28 Jahren Gefängnis wegen Mordes und Bildung einer kriminellen Vereinigung verurteilt. Es sei erwiesen, dass Santiago Uribe in den 90er Jahren die rechtsextreme paramilitärische Gruppe „Die zwölf Apostel“ geleitet hat, erklärte das Gericht am Donnerstag (Ortszeit) laut der Zeitung „El Tiempo“. In der Funktion habe er einen Plan zu „sozialen Säuberungen“ in Auftrag gegeben. „Santiago Uribe Vélez war als Anführer dafür zuständig, Informationen zu sammeln und potenzielle Opfer auszuwählen“, hieß es in der Urteilsbegründung.
Ex-Präsident Álvaro Uribe, der Kolumbien von 2002 bis 2010 regierte, bezeichnete das Urteil als „sehr ungerecht“. Ihm selbst wird ebenfalls die Nähe zu paramilitärischen Todesschwadronen vorgeworfen. Im Oktober 2025 wurde er allerdings dem Vorwurf freigesprochen, inhaftierte Paramilitärs unter Druck gesetzt zu haben, um seine Verbindungen zu verschleiern. Uribes Präsidentschaft war gekennzeichnet von einer harten Hand gegenüber der im Land agierenden Guerilla und Gewalt gegenüber der ländlichen Bevölkerung. Das Militär tötete Tausende unschuldige Zivilisten und gab diese als Guerilla-Kämpfer aus.
Seit den 1960er Jahren Krieg
Seit den 1960er Jahren bekämpfen sich in Kolumbien linke Guerillas, rechte Paramilitärs und der Staat. Die paramilitärischen Todesschwadronen werden für schwere Menschenrechtsverletzungen verantwortlich gemacht. Trotz eines Friedensvertrags mit der größten Guerilla FARC und dem Staat im Jahr 2016 nimmt die Gewalt seit einigen Jahren wieder zu. Abspaltungen der FARC und Paramilitärs kontrollieren mittlerweile ganze Landstriche und finanzieren sich über die Produktion von Kokain und dem illegalen Bergbau. Seit dem Beginn des Bürgerkriegs wurden etwa 300.000 Menschen getötet und über sieben Millionen vertrieben.



