Frankfurt a.M. (epd). Wenn am 11. Juni die Fußballweltmeisterschaft beginnt, werden aller Voraussicht nach noch mehr junge Menschen als bei anderen Fußballevents eine Sportwette abschließen. Die Werbeaktivitäten für Wetten seien rund um ein solches Großereignis so stark, dass sie eine gewisse Normalität herstellten, beobachtet Veit Wennhak, Berater des evangelischen Fachdienstes Frühintervention beim Glücksspiel in Frankfurt am Main. Die Werbeflut lasse junge Menschen denken, es sei völlig normal, Geld für Sportwetten und damit für ein Glücksspiel auszugeben, sagte Wennhak dem Evangelischen Pressedienst (epd). Er halte deshalb ein Werbeverbot für Glücksspiele für sinnvoll, zumindest vor 21 Uhr.
Wennhak arbeitet mit den Menschen, deren Wettverhalten bereits zur Sucht geworden oder zumindest problematisch ist. Oftmals gehe es um männliche Jugendliche oder junge Männer, die denken, dass sie so viel Ahnung von Fußball oder Handball haben, dass sie das Spielergebnis vorhersagen und damit Geld verdienen können. „Aber jede Sportart hat viele Zufälligkeiten im Spiel“, sagte Wennhak. „Wir gehen ins Stadion oder in Sporthallen, weil wir eben nicht wissen, wie so ein Spiel ausgeht.“
Schaden für Gesellschaft
Die Sportwetten seien ein Schaden für jeden, der damit exzessiv in Kontakt komme und damit auch ein Schaden für die Gesellschaft, sagte der Berater des Evangelischen Regionalverbands Frankfurt und Offenbach. „Der Einzige, der bei Glücksspielen gewinnt, ist der Anbieter“, betonte der Politologe und Suchtberater. Die Anbieter machten etwa 80 Prozent ihres Umsatzes mit Abhängigen oder riskant Spielenden. Die Zahl zeige, dass die Branche „im Grunde darauf beruht, dass Leute abhängig sind von dem Glücksspiel“.
Aktuelle Studien gehen in Deutschland von rund 1,23 Millionen Menschen zwischen 18 und 70 Jahren aus, die eine Glücksspielstörung haben. Weitere rund drei Millionen Menschen zeigen demnach ein riskantes Spielverhalten. Welchen Anteil genau daran die Sportwetten haben, ist statistisch nicht erfasst. Das Umsatzvolumen von legalen Sportwetten gibt die Deutsche Hauptstelle Sucht in ihrem Jahrbuch 2026 für das Jahr 2024 mit gut 13 Milliarden Euro an, das entspreche einem Plus von zwölf Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Psychische Probleme als Folge
Anstatt mit dem vermeintlichen Wissen um Sportergebnisse Geld zu verdienen, bekämen die Betroffenen oftmals psychische Probleme: „Immer wieder Niederlagen einzustecken, geht auf die Psyche“, erläuterte Wennhak. „Die Leute entwickeln Depressionen, Angststörungen und Ähnliches.“ Dazu kämen Schulden und soziale Probleme, weil viele sich Geld bei Freunden oder in der Familie leihen würden, das sie nicht mehr zurückzahlen könnten.



