Tübingen (epd). Bestattungsrituale und Misstrauen in der Bevölkerung erschweren laut Experten den Kampf gegen die Ebola-Epidemie im Osten der Demokratischen Republik Kongo. Bei Trauerfeiern sei es Sitte, den Körper des Gestorbenen zu berühren, erläuterte Gisela Schneider, frühere Direktorin des Deutschen Instituts für Ärztliche Mission (Difäm), am Dienstag in Tübingen. Dabei sei die Viruslast der aktuellen Ebola-Variante bei Leichen am höchsten.
Nach den Worten von Baba Dieu Merci Amuda, Professor für öffentliche Gesundheit in Bunia im Nordosten des Kongo, sollten Bestattungsfeiern nicht verboten werden, sondern die Rituale an die Sicherheitsbestimmungen angepasst werden. Der Ebola-Ausbruch im Ostkongo war vor rund zweieinhalb Wochen gemeldet worden. Laut den jüngsten Daten der kongolesischen Behörden gibt es 321 nachgewiesene Infektionen, von denen 48 tödlich endeten. Für die Virus-Variante Bundibugyo, die für den Ausbruch verantwortlich ist, gibt es derzeit weder Medikamente noch eine Impfung.
Katastrophale Sicherheitslage
Es fehle an Laborkapazitäten, um die neue Virus-Variante schnell zu diagnostizieren, sagte der Pathologe Tschass Chasinga aus der Stadt Bukavu. Proben aus entlegenen Gebieten brauchten oft zu lange bis zur Auswertung. Chasinga forderte dringend die Lieferung von PCR-Tests und Schutzausrüstung sowie die Entwicklung eines Schnelltests: „Jeder Tag, den wir warten, wird mehr Tote bringen.“
Der Ausbruch trifft die ostkongolesischen Provinzen Ituri, Nord-Kivu und Süd-Kivu. Die Eindämmung wird von anhaltenden Kämpfen zwischen einer Reihe von Milizen, bewaffneten Gruppen und den staatlichen Sicherheitskräften im Ostkongo erschwert. Das Tübinger Difäm hat ein Nothilfeteam eingesetzt und arbeitet eng mit kirchlichen Partnern vor Ort zusammen.



