Oldenburg (epd). Eine Hochzeit ist nach Ansicht der Oldenburger Soziologin Rosemarie Nave-Herz heute in erster Linie ein öffentliches Bekenntnis zu einer möglichst dauerhaften Beziehung. Die Eheschließung sei für viele ein wichtiges Sinnbild einer emotionalen Paarbeziehung. Materielle Gründe seien dagegen nachrangig, sagte Nave-Herz im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd).
So spiele die steuerliche Begünstigung von Paaren durch das Ehegattensplitting keine nennenswerte Rolle bei dem Entschluss zu heiraten, erläuterte die Soziologin, die seit vielen Jahrzehnten zum Thema forscht. „Wir haben mehrere Untersuchungen durchgeführt, die zeigen, materielle Überlegungen stehen meist erst an dritter Stelle, wenn überhaupt.“
Ehe als Symbol
Rechtssicherheit oder auch die Tradition würden bei Befragungen ebenfalls erst nachrangig genannt, erläutert sie in ihrem Buch „Die Ehe in Deutschland“. Die Eheschließung hat heutzutage vor allem eine Symbolfunktion, nämlich öffentlich zu bekunden, eine emotionale Beziehung dem Anspruch nach auf Dauer erhalten zu wollen.
Mit diesem öffentlichen Solidaritätsversprechen, das weit über das Paar hinausgehe, habe die Hochzeit - sozialstrukturell gesehen - weiterhin eine „Ordnungs- und Integrationsfunktion“. Denn „jeder Mutter wird bei der Eheschließung in der Öffentlichkeit vor Augen geführt, dass auch sie jetzt eine neue Rolle hat, die der Schwiegermutter. Der Bruder wird zum Schwager und so weiter“, führte sie aus. „Alle Untersuchungen zeigen, dass die Solidarität zwischen den Familienmitgliedern auch bei uns in der säkularisierten Gesellschaft noch besteht.“
Rückgang von „Muss-Heiraten“
Aufgrund gesellschaftlicher Zwänge werde die Ehe dagegen immer seltener eingegangen, zum Beispiel infolge einer ungeplanten Schwangerschaft. Die „Muss-Heiraten“ - wie sie in der Öffentlichkeit genannt wurden - seien noch in den 1960er Jahren sehr weit verbreitet gewesen. Erst die Entstigmatisierung der ledigen Mutter und des nicht-ehelichen Kindes hätten zu Veränderungen geführt.



