Aminata Touré: "Frauen bestimmen so vieles - nur selten die Politik"

Aminata Touré: "Frauen bestimmen so vieles - nur selten die Politik"
In Deutschland präge ein Männerklub plus Bärbel Bas die politischen Geschicke. "Das finde ich frustrierend", sagt die schleswig-holsteinische Sozialministerin Touré.

Hamburg (epd). Die schleswig-holsteinische Sozialministerin Aminata Touré (Grüne) hat kein Verständnis dafür, dass Frauen und Menschen mit Migrationsgeschichte in der Spitzenpolitik unterrepräsentiert sind. „Menschen mit Migrationshintergrund sind in politischen Spitzenämtern superselten anzutreffen, Frauen auch“, sagte Touré der „Zeit“ und fügte hinzu: „Wir haben in Deutschland im Jahr 2026 einen Männerklub plus Bärbel Bas, der die politischen Geschicke prägt. Das finde ich frustrierend.“

Die 33 Jahre alte stellvertretende Ministerpräsidentin sagte in dem am Mittwoch online veröffentlichten Interview: „Mich hat das schon vor meiner Zeit in der Politik genervt, wenn ich im Fernsehen gesehen habe, wie in den Elefantenrunden nur Dudes saßen.“ Sie habe das komisch gefunden, weil ihr Leben davon geprägt gewesen sei, dass ihre Mutter ihr ständig Ansagen gemacht habe. „Frauen bestimmen so vieles - nur selten die Politik“, sagte Touré, deren Eltern aus Mali nach Deutschland geflohen sind, wo sie in einer Flüchtlingsunterkunft zur Welt kam.

Spitzenkandidatin zur Landtagswahl

Der Wahlsieg ihres Parteikollegen Cem Özdemir in Baden-Württemberg habe gezeigt: „Leute mit Migrationsgeschichte haben die Möglichkeit, in Machtpositionen zu kommen.“ Aber es gehe nicht nur um Merkmale, die nicht typisch für den Politikbetrieb sind. „Es geht um unsere Ziele für die gesamte Gesellschaft“, sagte Touré, die im nächsten Jahr die Grünen als Spitzenkandidatin in die Landtagswahl in Schleswig-Holstein führen will.

Die Landespolitikerin kritisierte die Migrationspolitik der schwarz-roten Bundesregierung scharf: „Was im Koalitionsvertrag zu Migration steht, ist fast nur negativ. Zuzug begrenzen, Familiennachzug verhindern, alles schrecklich.“ Selbst Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) müsste als Wirtschaftsexperte aus ihrer Sicht wissen, dass Firmen händeringend Mitarbeiter suchen: „Es sind kleine und mittelständische Betriebe, die sagen: Ich verstehe nicht, warum Mohammed nicht bleiben darf, obwohl er hier eine Ausbildung anfangen könnte.“