Frankfurt a.M. (epd). Die Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus (RIAS) Hessen hat im vergangenen Jahr 1.099 antisemitische Vorfälle dokumentiert. Dies seien 18 Prozent mehr als 2024 (926 Vorfälle), teilte die Leiterin Susanne Urban am Mittwoch in Frankfurt am Main mit. 2023 waren es noch 528 Vorfälle gewesen. Der größte Teil der 2025 erfassten Vorkommnisse betraf „verletzendes Verhalten“ (930), dokumentiert wurden darüber hinaus 27 Angriffe, 41 Bedrohungen und 58 gezielte Sachbeschädigungen. In 241 Fällen wurden Einzelpersonen direkt angegriffen, in 159 Fällen Institutionen.
An Schulen wurden nach Urbans Worten 71 Vorfälle gemeldet gegenüber 48 im Jahr 2024. Darunter fiel etwa die Bezeichnung von Juden als Tiere, antisemitische Schmierereien in Klassenzimmern oder die Zeichnung von Bildern, die den Holocaust verherrlichten. An Hochschulen wurden 105 Vorfälle gemeldet. Bei Meldung schlage den Betroffenen „relativierende Skepsis“ entgegen, sagte Urban.
Dämonisierung Israels vorherrschend
Die Mehrheit der erfassten Vorfälle (671) betreffe den israelbezogenen Antisemitismus, erläuterte Urban. Israel werde dämonisiert, Jüdinnen und Juden würden entmenschlicht, beleidigt, bedroht und der Holocaust relativiert. 239 Demonstrationen und Kundgebungen mit antisemitischen Vorfällen seien gezählt worden. Unter den öffentlichen Schmierereien sei etwa die Aufforderung „Kill Israel, kill Jews“ (Tötet Israel, tötet Juden) wochenlang in Marburg zu sehen gewesen, in Offenbach und Frankfurt die Hetzschrift „Israel frisst Kinder“.
„Hessen hat ein Problem“, folgerte die Leiterin der Meldestelle. „Für Juden ist gesellschaftliche Teilhabe nicht mehr uneingeschränkt möglich.“ Der Vorstandsvorsitzende der Jüdischen Gemeinde Frankfurt, Marc Grünbaum, kritisierte, Antisemitismus bleibe „in weiten Teilen unwidersprochen“.




