Ex-Alkoholiker hilft Betroffenen

Günther Lietz  und Charlotte Mattes im Studio
Emily Nowak
Günther Lietz ist Gast im Studio und erzählt von seiner Alkoholabhängigkeit und wie er trocken wurde.
Hilfe bei Alkoholsucht
Ex-Alkoholiker hilft Betroffenen
Günther war Alkoholiker, ist aber seit drei Jahren trocken. Im Podcast "Echt gefragt" erzählt er, wie er rausgekommen ist und heute Betroffenen hilft.

Drei Tage liegt Günther Lietz allein und bewusstlos in seiner Wohnung. Das ist das erste, was er mir erzählt. Er sagt, er habe nicht ungewöhnlich viel getrunken, aber die Hitze habe ihm zugesetzt. Nachbarn finden ihn, weil es "im Hausflur komisch gerochen" habe. 

Sein Körper habe Stopp gesagt. Stopp zum Alkohol. Da muss ich innerlich erstmal schlucken. Diese Szene bleibt in meinen Gedanken hängen. Sie zeigt, wie ernst die Lage war – und wie knapp es für ihn ausgegangen ist. Er wurde sofort in die Frankfurter Uniklinik gebracht und die Narben, die er bis heute davon trägt, erinnern ihn für immer daran. 

Günther beschreibt sich selbst als "Suchtmensch". Das zeige sich auch in anderen Bereichen: beispielsweise beim Essen. Statt einem Stückchen Schokolade isst er die ganze Tafel, statt einem Schälchen Chips muss es die ganze Tüte sein. Solches Essverhalten kommt mir bekannt vor, ich kann mich selbst oft schlecht zügeln. 

Als mir Günther während der Podcast-Aufnahme davon erzählt, wird mir klar: Bei Alkohol ist das bei mir glücklicherweise anders. Es darf auch wochenlang nichts sein oder nur ein Glas am Abend.

Frühe Prägungen führen zu Alkoholsucht

Als Jugendlicher betrinkt sich Günther häufiger im Frankfurter Ostpark. Später trinkt er mit dem neuen Partner seiner Mutter hin und wieder einen Korn, eine ziemlich starke Spirituose. Für ihn fühlt sich das wie Anerkennung an. 

Heute bewertet er das kritisch. Er nennt klare Warnsignale für problematischen Konsum: wenn wir sehr viel vertragen und körperlich nichts spüren oder uns noch fahrtüchtig fühlen.

Familiäre Einflüsse

Günther nennt seine Familie als einen Faktor: Gefühle hatten kaum Platz. Darüber wurde einfach nicht gesprochen. Dieses Muster übernimmt er für sein Leben.

Nach Trennungen betäubt er seine Trauer oder Schmerz häufig mit Alkohol, anstatt sich damit auseinanderzusetzen. Wie er mit seinen Gefühlen umgehen kann, hat der heute 64-Jährige erst durch Therapien gelernt. 

Auch das Umfeld prägt seine Sucht. Günther ist in einem Haushalt aufgewachsen, in dem Alkohol sehr präsent war. Sein Vater war auch Alkoholiker. 

Günther beschreibt sein früheres Ich als "den Angepassten, der anderen hilft". Als ältester von drei Brüdern verstärkt sich diese Rolle. Alkohol sei eine Art Nische für ihn gewesen, in der er nicht brav sein musste, da habe er sich seinen Freiraum gesucht. Dieser Weg sei falsch gewesen, sagt Günther heute.

Den Wendepunkt feiern

Günther feiert zwei Geburtstage, seinen biologischen am 22. Januar und den 5. Januar 2023. An diesem Tag wurde er in die Klinik Hohe Mark in Oberursel eingewiesen. 

Jedes Jahr verbindet er dieses Datum mit Dankbarkeit für alle Menschen, die ihm auf dem Weg raus aus dem Alkohol geholfen haben. 

Neue Wege finden - ohne Alkohol

In der Therapie findet Günther ein neues Hobby: Das Schreiben. Er vergesse dabei Raum und Zeit und auch ein mieser Arbeitstag rücke dabei in den Hintergrund. Das Schreiben fülle für ihn die Lücke Alkohol mehr als aus, sagt Günther begeistert. In seinem Roman "Im Visier der Hydra" (April 2026) verarbeitet er auch seine Sucht. 

Andere Betroffene unterstützen

Nebenbei engagiert er sich als ehrenamtlicher Suchthelfer und begleitet Menschen mit Alkoholsucht. Er erzählt davon mit sichtbarer Freude. Vor allem, wenn Klienten ihren Konsum reduzieren oder ganz aufhören. 

In der Podcast-Folge "Echt gefragt" sagt er klar: Er hat noch Kapazitäten für Hilfesuchende. Wenn du selbst betroffen bist oder jemanden kennst, kannst du Günther eine E-Mail schreiben und Kontakt aufnehmen.

Wir bedanken uns bei indeon für diesen Partnerinhalt.