Geduld, Geduld, mein Kind… Wie geduldig sind Sie? Wie geduldig können Sie auf etwas warten? War es nicht das Schlimmste, wie langsam die Zeit an Heiligabend oder an Geburtstagen verging, bis endlich die Bescherung war oder die Gäste mit den Geschenken auftauchten?
Diese Art des freudigen Wartens können wir heute meist besser ertragen, oft weil wir einfach mit anderem beschäftigt sind. Aber wie sieht es aus, wenn vor uns an der Kasse eine lange Schlange steht? Wie oft haben Sie da schon mit den Füßen gewippt oder mit den Augen gerollt? Und was ist mit Werbung, die wir nicht einfach "überspringen" können? Gerade in unserer schnelllebigen Zeit, in der alles immer sofort verfügbar ist, sind Warten und Geduld zur wahren Tugend geworden.
Heute zeige ich Ihnen eine Torte, auf die man auch warten muss: die Drei-Tages-Torte. Im Prinzip ist diese Torte wie viele andere auch. Sie besteht aus einem Rührkuchen, einer Sahnefüllung und einem Guss. Und trotzdem sollte man sie nicht gleich genießen, denn erst nach drei Tagen im Kühlschrank entfaltet sie ihren wahren Geschmack, ist saftiger, intensiver und einfach noch leckerer.
Das Geheimnis dieses eigentlich so unscheinbaren Rezepts ist die Zeit. Die Creme gibt ihre Feuchtigkeit an die Böden ab, macht sie weicher, der Geschmack wird runder, und die einzelnen Schichten verbinden sich. Ich gebe zu, das liegt auch am Rum. Aber selbst wenn man ihn aus welchen Gründen auch immer weglässt, schmeckt die Torte nach drei Tagen einfach besser.
Und diese drei Tage kommen uns doch an Ostern bekannt vor, oder? Karfreitag. Jesus ist tot. Die Hoffnung scheint verloren. Heute wissen wir, dass die Auferstehung kommt, dass Ostern kommt. Aber noch ist es nicht da. Noch sind wir im Dazwischen, müssen aushalten und warten. Drei Tage lang. Wie auf diese Torte, auf deren Rezept ich Sie jetzt nicht noch länger warten lassen will.
Zutaten für die Tortenböden:
300 g Butter oder Margarine
250 g Zucker
2 Päckchen Vanillezucker
1 Prise Salz
6 Eier
350 g Mehl
1 Päckchen Backpulver
150 ml Milch
30 g Kakao
3 EL Rum, Kaffee oder Milch
Zutaten für die Creme:
2 Becher Sahne
2 Becher Schmand (400 g)
100 g Zucker
2 Päckchen Vanillezucker
nach Belieben 3 – 5 Tropfen Orange- oder Zitronennöl/-aroma
Zutaten für den Guss:
150 g Puderzucker
2 EL Rum, Kaffee oder Milch
2 EL Kakao
Zubereitung der Tortenböden:
1. Für den Rührkuchen zunächst Butter, Zucker, Vanillezucker und Salz schaumig schlagen. Die Eier unterrühren und weiterschlagen. Mehl und Backpulver mischen, abwechselnd mit der Milch unter den Teig rühren. Ein Drittel des Teige in eine Springform (⌀ 26 cm) füllen und glattstreichen. Kurz beiseitestellen.
2. In den restlichen Teig den Kakao, sowie entweder Rum, Kaffee oder Milch einrühren. Falls eine zweite Backform vorhanden ist, den dunklen Teig in eine zweite Springform füllen. Oder aus Alufolie, Backpapier und einem Tortenring eine zweite Backform herstellen. Dafür einen Bogen Backpapier auf ein Stück Alufolie legen, darauf den Tortenring stellen. Den Tortenring auf 26 cm einstellen und nun die Alufolie gemeinsam mit dem Backpapier fest um den Tortenring wickeln, damit unten kein Teig mehr rauslaufen kann. Alternativ lassen sich der helle und der dunkle Boden auch einfach nacheinander backen.
3. Die Böden nun bei 180 Grad Umluft backen. Der helle Boden ist je nach Ofen bereits nach ca. 20 Minuten fertig, die doppelte Menge dunklen Bodens benötigt mindestens 30 Minuten Backzeit. Nach dem Backen die Böden aus dem Ofen nehmen und vollständig auskühlen lassen.
Zubereitung der Creme und der restlichen Torte:
1. Für die Creme zunächst die Sahne steif schlagen. In einer anderen Schüssel den Schmand mit Zucker, Vanillezucker und dem Orangenöl verrühren, bis sich der Zucker aufgelöst hat. Die Sahne vorsichtig unter die Schmandcreme heben.
2. Den dunklen Boden einmal halbieren, sodass zwei dunkle Böden entstehen. Einen dunklen Boden auf eine Tortenplatte setzen und einen Tortenring darum spannen. Die Hälfte der Creme auf dem Tortenboden verteilen. Nun den hellen Boden auflegen und die restliche Creme darauf verteilen. Zum Abschluss den zweiten dunklen Boden auflegen.
3. Für den Guss Puderzucker mit Rum, Kaffee oder Milch glattrühren und auf der Torte verteilen. Die Torte nun entweder mit einer Tortenhaube bedecken oder mit Frischhaltefolie einwickeln. Für drei Tage in den Kühlschrank stellen.
4. Die Torte nach drei Tagen aus dem Kühlschrank nehmen, den Tortenring entfernen und mit Kakao bestäuben.
Nach drei Tagen ungeduldigen Wartens und Nicht-Abwarten-Könnens ist diese Torte nun aus der Dunkelheit des Kühlschrankes wieder aufgetaucht und darf mit Freude geteilt und genossen werden.
Für mich ist sie so das perfekte Sinnbild für Ostern. Wir haben Zeit investiert, etwas zu erschaffen, haben uns mit Teig, Creme und Guss auseinander gesetzt, haben vielleicht Fehler gemacht. Vielleicht ist etwas nicht so geworden, wie wir uns das erhofft hatten. Aber wir können noch nicht sagen, ob es funktioniert hat, ob alles geklappt hat. Ob schmeckt, was wir da fabriziert haben. Wir können das Ergebnis nicht gleich sehen oder kosten. Wir müssen warten. Ausgang ungewiss.
Erst nach drei Tagen dann die Erleichterung, die Erlösung, das Wiedersehen mit der Torte und das Wissen, ob oder ob nicht jetzt am Ende alles gut geworden ist.
Es ist doch wie mit Jesus. Vierzig Tage lang fasten wir, folgen dem schweren Weg, den Jesus gegangen ist. Wir lernen ihn kennen, gehen seinen Weg mit ihm, dürfen hier und da schon von den kleinen Wundern kosten. Und dann erst einmal: Ende. Wir legen den Teigspartel aus der Hand, stehen vor dem Chaos, können nichts mehr tun. Wir leiden mit, trauern, sind gefangen im ‚noch nicht‘, im Dazwischen. Zwischen Ungewissheit, Hoffnung, Tod und Leben. Um dann nach drei Tagen endlich zu hören: Er ist auferstanden. Er ist wahrhaftig auferstanden.
Tja, ich würde sagen, das Warten hat sich gelohnt! Genießen Sie diese Torte. Genießen Sie diese unbändige, so dringend benötigte Hoffnung und das Licht dieser Welt. Genießen Sie Ostern.
Gehen Sie gesegnet und gesättigt in diese Osterzeit.



