Südsudan: Hunderttausende ohne Gesundheitsversorgung wegen Gewalt

Südsudan: Hunderttausende ohne Gesundheitsversorgung wegen Gewalt
Seit Anfang 2025 nehmen die kriegerischen Auseinandersetzungen im Südsudan zu. Das gefährdet laut "Ärzte ohne Grenzen" die medizinische Hilfe - mit dramatischen Folgen.

Nairobi (epd). Hunderttausende Menschen im Südsudan sind wegen der Gewalt zwischen Armee und Opposition von der Gesundheitsversorgung abgeschnitten. Das geht aus einem Bericht der Hilfsorganisation „Ärzte ohne Grenzen“ hervor, der am Dienstag in der kenianischen Hauptstadt Nairobi vorgestellt wurde. Allein aufgrund von zwölf Angriffen auf Personal und Einrichtungen von „Ärzte ohne Grenzen“ hätten seit Anfang vergangenen Jahres mehr als 760.000 Menschen den Zugang zu medizinischer Hilfe verloren. In manchen Gegenden gebe es keine Möglichkeit für Operationen wie Kaiserschnitte, weil Krankenhäuser bombardiert und Vorräte geplündert worden seien.

Die Gewalt gegen Zivilistinnen und Zivilisten habe zutiefst alarmierende Ausmaße angenommen, sagte der Südsudan-Experte in Nairobi, Abdalla Hussein. Bombardierungen, Zwangsrekrutierung, sexualisierte Gewalt unter anderem würden durch die Kriegsparteien immer mehr zur Normalität gemacht. „Das darf nicht toleriert werden.“

„Arzte ohne Grenzen“ muss Arbeit teilweise einstellen

Seit Anfang 2025 haben gewaltsame Auseinandersetzungen zwischen Armee und Opposition sowie verbündeten Milizen zugenommen. Im vergangenen Jahr gab es laut „Ärzte ohne Grenzen“ 138 Luftangriffe, von Januar bis März 2026 weitere 18. Allein im westlichen Bundesstaat Jonglei seien 2025 rund 300.000 Menschen vertrieben worden, 2.000 wurden getötet. Für den Bericht "Sie töteten sie auf der Flucht” hat die Organisation dutzende Augenzeugen interviewt.

Aufgrund der Gewalt seien Regionen nur eingeschränkt zugänglich, sagte der Südsudan-Programmleiter Gul Badash. „Das sind Tote, die verhindert werden könnten.” “Ärzte ohne Grenzen" musste im vergangenen Jahr die Arbeit an sechs Orten im Südsudan einstellen. Badash forderte den Schutz von Gesundheitseinrichtungen. Hilfe dürfe kein Kontrollwerkzeug für die Kriegsparteien sein. Internationale Partner müssten die Gewalt im Südsudan verurteilen und ihre Hilfsversprechen einhalten.