Katholikentag in Erfurt beendet - Wilmer: "Brandherde löschen"

Katholikentag in Erfurt beendet - Wilmer: "Brandherde löschen"
Auf dem Katholikentag in Würzburg haben Zehntausende Menschen fünf Tage lang über weltweite Konflikte, Missbrauch, Reformstau und den Umgang mit Populismus debattiert. Nach Abschluss des Treffens bleibt der Erwartungsdruck an die Bischöfe hoch.
17.05.2026
epd
Julia Riese und Stephan Cezanne (epd)

Würzburg (epd). Mit Aufrufen zu mehr Zuversicht ist am Sonntag in Würzburg der 104. Deutsche Katholikentag zu Ende gegangen. Beim feierlichen Abschlussgottesdienst auf dem Residenzplatz rief der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Heiner Wilmer, die Gläubigen zu Mut und Tatkraft auch unter schwierigen Bedingungen auf. „Habt keine Angst vor dem Schmutz der Straße. Habt keine Angst vor dem Durcheinander dieser Welt. Habt keine Angst, eine verbeulte Kirche zu sein“, sagte der Hildesheimer Bischof vor laut Veranstaltern rund 14.000 Menschen.

Der Hildesheimer Bischof Wilmer ermutigte Christinnen und Christen dazu, mit Gottvertrauen in die Welt hinauszugehen, zu handeln und „Brandherde zu löschen“. Er verwies als Beispiel auf den Sudan, wo derzeit die größte humanitäre Katastrophe der gegenwärtigen Zeit zu erleben sei. 33 Millionen Menschen seien auf Hilfe angewiesen, rund zwölf Millionen seien auf der Flucht.

23.000 Dauerkarten

Seit Mittwoch hatten sich in der fränkischen Stadt Zehntausende unter dem biblischen Leitwort „Hab Mut, steh auf“ zu 900 Diskussionen, Gottesdiensten und Kulturveranstaltungen getroffen. Laut Geschäftsführer Roland Vilsmaier war das Christentreffen gemessen an den Teilnehmerzahlen ein Erfolg. Gezählt wurden 23.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit Dauerkarten sowie 11.000 mit Tagestickets. Hinzu kamen nach Veranstalterangaben rund 40.000 Menschen als Laufpublikum. Zum Vergleich: Den Katholikentag in Erfurt vor zwei Jahren besuchten mehr als 20.000 angemeldete Teilnehmerinnen und Teilnehmer.

Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, rief im Schlussgottesdienst dazu auf, das „Gift des Antisemitismus“ aus der Gesellschaft zu verbannen. Jüdisches Leben sei in Deutschland bedroht und nur noch unter Schutz möglich. Antisemitismus richte sich jedoch nicht nur gegen Jüdinnen und Juden, sondern gegen die offene Gesellschaft, Demokratie und Freiheit, so der in Würzburg lebende Schuster.

Latzel lädt zum Kirchentag nach Düsseldorf ein

Die Konflikte in der Ukraine, im Nahen Osten und im Iran gehörten neben den Folgen der Klimakrise und dem Missbrauchsskandal zu den Schwerpunkten des Treffens. Die Präsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Irme Stetter-Karp, und der Würzburger Bischof Franz Jung dankten allen, die den Katholikentag ermöglicht hatten, insbesondere den zahlreichen Ehrenamtlichen. Besonderer Dank ging an die 1.200 Helferinnen und Helfer, an die Rettungs- und Ordnungskräfte, Polizei und Feuerwehr.

Zum Abschluss des Gottesdienstes lud der Präses der rheinischen Landeskirche, Thorsten Latzel, zum 40. Deutschen Evangelischen Kirchentag vom 5. bis 9. Mai 2027 in Düsseldorf ein. Der Paderborner Erzbischof Udo Bentz warb für den nächsten Katholikentag 2028 in Paderborn.

Der Katholikentag gilt als Seismograf für die Stimmung zwischen Kirche und Gesellschaft. Die Christentreffen werden vom ZdK in der Regel alle zwei Jahre an wechselnden Orten ausgerichtet. Die Ursprünge des Katholikentages reichen in das Jahr 1848 zurück, sie richten sich heute auch explizit an Nichtkatholiken.