Forschungsschiff "Polarstern" nach 183 Tagen Expedition zurück

Forschungsschiff "Polarstern" nach 183 Tagen Expedition zurück
Die "Polarstern" ist nach einem halben Jahr am Südpol wieder in Bremerhaven. An Bord hat das Forschungsschiff neue Daten über den Rückgang des Meereises in der Antarktis, eine Folge der Klimakrise.
15.05.2026
epd
Von Karen Miether und Urs Christian Mundt (epd)

Bremerhaven (epd). Nach 183 Tagen in der Antarktis ist das Forschungsschiff „Polarstern“ am Freitag in seinen Heimathafen Bremerhaven zurückgekehrt. Die Forschenden bringen dabei neue Erkenntnisse über den Rückgang des Meereises mit, wie das Alfred-Wegener-Institut (AWI) für Polar- und Meeresforschung in Bremerhaven am Freitag mitteilte.

Bundesforschungsministerin Dorothee Bär (CSU) sprach beim Empfang auf der Brücke des Schiffes von bedeutenden Ergebnissen der Expedition: „Sie führt uns vor Augen, dass auch das Meereis der Antarktis vom Klimawandel betroffen ist. Das betrifft uns alle.“

Forschende erfassen Dicke des Meereises

Der wissenschaftliche Direktor des AWI, der Gletscher-Experte Hajo Eicken, betonte: „Die Polarstern bringt seit 40 Jahren immer wieder neue Erkenntnisse ans Licht, die uns helfen, die prägende Rolle der Polargebiete im Erdsystem zu verstehen.“ So habe sich das Verständnis der Antarktis erheblich gewandelt. Der Glaziologe war im März aus Alaska als wissenschaftlicher Direktor nach Bremerhaven gewechselt.

Während rund um den Nordpol der Rückgang des Meereises seit Jahrzehnten dokumentiert sei, habe die Antarktis lange Zeit als stabil gegolten, hieß es. Seit 2017 gehe jedoch die sommerliche Ausdehnung des Meereises auch im Süden stark zurück. Während der Expedition erfasste die Besatzung der „Polarstern“ den Angaben zufolge die Dicke des Meereises entlang von 4.400 Kilometern durch Flüge sowie an 35 Tagen bei der Schifffahrt durchs Eis.

Artenschutz im Weddellmeer untersucht

Auch für den Artenschutz war die Expedition laut AWI von Bedeutung: Ein internationales Forschungsteam untersuchte demnach, wie sich die Artenvielfalt und die Funktionen des Ökosystems im östlichen Weddellmeer verändern, einem Hotspot der Biodiversität. Das Weddellmeer, ein Randmeer der Antarktis, gilt als eines der letzten weitgehend unberührten Meeresgebiete der Erde. Deutschland drängt seit Jahren auf die Errichtung eines Meeresschutz-Gebietes in der Region.

Ministerin Bär kündigte mit der „Polarstern II“ ab 2030 einen Nachfolger für das bundeseigene Schiff an, „damit wir auch zukünftig mit internationalen Partnern Spitzenforschung in der Arktis und Antarktis betreiben können“. Das eisbrechende Forschungsschiff „Polarstern“ lief 1982 vom Stapel. Seither hat es laut AWI in mehr als 150 Expeditionen fast zwei Millionen Seemeilen zurückgelegt. Bremens Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD), zu dessen Bundesland Bremerhaven gehört, begleitete die Ministerin beim Besuch auf der „Polarstern“ und nannte das Alfred-Wegener-Institut „nicht weniger als das Flaggschiff der deutschen Meeresforschung“.