Augsburg (epd). Bundestagspräsidentin Julia Klöckner (CDU) hat ihre Zeitgeist-Kritik an den Kirchen wiederholt. „Viele Menschen erwarten von der Kirche vor allem spirituelle Impulse, nicht Austauschbarkeit oder Beliebigkeit. Wenn Kirche dem Zeitgeist gefallen und sich ständig neuen innerweltlichen Trends anpassen will, verliert sie ihr Alleinstellungsmerkmal“, sagte Klöckner der „Augsburger Allgemeinen“ (Freitag). Die CDU-Politikerin, die katholische Theologie studiert hat, wird für Freitag auf dem Katholikentag in Würzburg erwartet.
Kirche müsse „mehr sein als eine Nichtregierungsorganisation, die gesellschaftspolitische Wünsche im Hier und Jetzt erfüllen soll“, sagte Klöckner der Zeitung. Im vergangenen Jahr hatte sie vor dem Deutschen Evangelischen Kirchentag Anfang Mai in Hannover eine Kontroverse mit einer ähnlichen Interviewäußerung ausgelöst, die dahingehend interpretiert worden war, dass die Parlamentspräsidentin tagespolitische Äußerungen der Kirchen rundweg ablehnt. Damals lag eine gemeinsame Abstimmung der Unionsfraktion mit der AfD im Bundestag zur Migrationspolitik wenige Wochen zurück. Diese war von beiden großen Kirchen scharf kritisiert worden.
„Klar kann Kirche politisch sein“
Der „Augsburger Allgemeinen“ sagte Klöckner: „Klar kann Kirche politisch sein. Aber wirklich im Klein-Klein der Tagespolitik? Dafür gibt es andere.“ Wenn Kirche den Eindruck mache, sie sei wie ein Parteitag, ganz gleich welcher Partei, werde sie nicht das erfüllen, was die Menschen in ihr suchen. Kirche könne Sehnsuchtsort und Anziehungspunkt sein. „Mit ihren Ritualen, der Liturgie, den jahrtausendealten Geschichten der Bibel. Also mit etwas auch, das sich nicht sofort erschließt, das ein bisschen quer steht zu einer Welt, die schnell und flüchtig ist“, sagte Klöckner.




