VdK-Präsidentin Bentele wünscht sich anderen Ton in Reform-Debatten

VdK-Präsidentin Bentele wünscht sich anderen Ton in Reform-Debatten
Die Präsidentin des Sozialverbands VdK, Bentele, kritisiert, dass Sozial- und Wohlfahrtsverbände als "Nörgler" wahrgenommen würden.

Berlin (epd). Die Präsidentin des Sozialverbands VdK, Verena Bentele, kritisiert den Ton in Debatten über Sozialreformen. „Ich wünsche mir, dass wir über die Unterstützung von Menschen so wertschätzend sprechen wie über Wirtschaftshilfen“, sagte Bentele dem Portal „web.de“ (Sonntag). Sozial- und Wohlfahrtsverbände würden als „Nörgler“ wahrgenommen, wenn sie etwas forderten. Dagegen könne „jeder, der von sich behauptet, Arbeitsplätze zu schützen und die Wirtschaft zu fördern, fast alles fordern“, sagte die VdK-Präsidentin.

Konkret äußerte Bentele Kritik an dem Reformpaket für die gesetzlichen Krankenkassen, das Ende April vom Bundeskabinett beschlossen worden war. Dass mit dem Gesetz Menschen mehr zu Medikamenten zuzahlen sollten und eine Teilkrankschreibung eingeführt werde, treffe die Falschen. Gerade für Menschen mit wenig Geld seien das große Belastungen.

Kritik an geplanter Teilkrankschreibung

Mit Blick auf die Teilkrankschreibung warnte Bentele vor einem „hohen Rechtfertigungsdruck“, warum man nicht wenigstens ein bisschen arbeiten könne. „Dabei müssten wir eigentlich Bedingungen schaffen, unter denen Menschen gesund werden können und gerne zur Arbeit gehen“, sagte sie.

Ziel der Krankenkassenreform ist es, die finanziell angeschlagenen Krankenkassen zu entlasten und so einen weiteren Anstieg der Beiträge zu verhindern. Für Versicherte sieht das Paket unter anderem höhere Zuzahlungen vor, etwa für Medikamente und Krankenhausaufenthalte. Außerdem soll die beitragsfreie Mitversicherung von Ehepartnern eingeschränkt werden. Zudem soll es die Möglichkeit einer teilweisen Krankschreibung von 25, 50 oder 75 Prozent geben. Gedacht ist dies für längerfristige Erkrankungen, die einen reduzierten Einsatz im Job zulassen.

Die Reform muss noch in Bundestag und Bundesrat beraten werden. Die Regierung strebt eine Verabschiedung des Pakets vor der Sommerpause an. Auch in anderen Bereichen, etwa der Pflege, sind Reformen geplant.