Verbandschef: Hohe Spritpreise setzen Tafeln massiv unter Druck

Verbandschef: Hohe Spritpreise setzen Tafeln massiv unter Druck
Die hohen Spritpreise stellen die Tafeln vor große Probleme. Die Verteilung der Lebensmittel kostet deutlich mehr Geld, sagt Andreas Steppuhn, der Chef des Tafel-Bundesverbandes. Doch noch blieben fast alle Angebote bestehen.

Berlin (epd). Die Tafeln stehen derzeit wegen der hohen Spritpreise als Folge des Iran-Krieges zusätzlich unter Druck. „Die Tafeln sind spendenfinanziert. Und wenn alles teurer wird, ist das natürlich problematisch“, sagte Verbandschef Andreas Steppuhn dem Evangelischen Pressedienst (epd). Zudem wachse die Armut und damit auch die Zahl neuer Kunden bei den Tafeln, die gespendete Lebensmittel an Bedürftige verteilen.

Grundsätzlich sei das Netzwerk mit 981 Einrichtungen bundesweit gut ausgebaut. „Einzelne Tafeln kommen hinzu, während andere Standorte ihre Arbeit einstellen. Diese Entwicklung ist dynamisch und stark von regionalen Bedingungen abhängig“, sagte Steppuhn. Neue Ausgabestellen seien nicht immer sinnvoll, weil sie auf ausreichende Lebensmittelspenden angewiesen seien. „Und die zu bekommen wird zunehmend schwieriger, weil nicht mehr so viel Überschuss produziert wird“, erläuterte er.

Auch Mieten, Heiz- und Stromkosten steigen

Steigende Kosten beträfen jedoch nicht nur Benzin oder Diesel, sondern auch die Ausgaben für Mieten, Heizung oder Strom. Im Osten des Landes ist das nach Steppuhns Worten „noch mal schwieriger. Hier haben viele Tafeln im ländlichen Raum so gut wie keine finanziellen Reserven.“

„Preise für Sprit über zwei Euro pro Liter sind heftig“, so Steppuhn, denn die Tafeln sind spendenfinanziert. Der Kostenanstieg liege bei 30 Prozent. Das sei kaum zu kompensieren, denn die Tafel-Abläufe seien ja weitgehend fix. Er fürchte weiterhin hohe Preise an den Tankstellen: „Und vermutlich wird die Spritpreisreduzierung des Bundes keine großen Auswirkungen haben.“

Angebote vereinzelt eingeschränkt

Einzelne Tafeln dünnten ihre Angebote aus, um Spritkosten zu sparen. Schon seit der Corona-Pandemie und dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine gebe es bei vielen Tafeln mehr Kundinnen und Kunden, als unterstützt werden könnten. Etwa ein Viertel der Tafeln habe Wartelisten. „Ich gehe davon aus, dass sich dieses Problem weiter zuspitzen wird, weil auch die Lebensmittelpreise durch die hohen Transportkosten steigen werden“, sagte der Verbandsvorsitzende. Dabei seien die Lebensmittelpreise seit 2020 im Durchschnitt schon um 37 Prozent gestiegen.

Laut Steppuhn müssten die Tafeln schneller auf E-Autos umsteigen, doch das sei immer auch eine Kostenfrage. „Die Zahl der E-Autos nimmt langsam zu.“ Bundesweit sind ungefähr zehn Prozent elektrische Fahrzeuge für die Tafeln im Einsatz. „Wir sehen hier zwar eine positive Entwicklung, aber unabhängig von Kraftstoffen sind die Tafeln noch lange nicht“, so Steppuhn.

Steppuhn ist 64 Jahre alt, stammt aus Münster und ist gelernter Stahlbetonbauer. In den 1990er und 2000er Jahren engagierte er sich gewerkschaftlich vor allem bei der IG BAU (Bauen-Agrar-Umwelt). Von 2005 bis 2009 saß Steppuhn für die SPD im Bundestag, seit 2023 leitet er den Bundesverband der Tafeln.