St. Wendel (epd). Die Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus (RIAS) Saarland hat für das Jahr 2025 insgesamt 57 antisemitische Vorfälle dokumentiert. „Auch 2025 kann nicht von einer Entspannung der Lage gesprochen werden“, erklärte Projektleiterin Petra Melchert am Dienstag in St. Wendel. Antisemitische Vorfälle hätten sich seit dem 7. Oktober 2023 „auf einem erhöhten Niveau stabilisiert“. „Dieser Normalisierung antisemitischer Vorfälle in den letzten Jahren muss entschieden entgegengetreten werden“, betonte sie.
Im Jahr 2023 waren es noch 33, im Jahr 2024 insgesamt 95 dokumentierte Vorfälle. „Das höhere Fallaufkommen im Jahr 2024 ergab sich durch eine Vielzahl von versendeten Massenzuschriften“, heißt es im Jahresbericht 2025 von RIAS Saarland. Im vergangenen Jahr seien keine bekannt geworden. RIAS Saarland mit Sitz im Adolf-Bender-Zentrum in St. Wendel erfasst seit Januar 2021 antisemitische Vorfälle.
Dämonisierung und Absprechung des Existenzrechts
Die häufigste Erscheinungsform sei wie in den Vorjahren der israelbezogene Antisemitismus (63 Prozent) gewesen, hieß es. Dieser richte sich gegen den jüdischen Staat Israel, beispielsweise indem dieser dämonisiert, ihm das Existenzrecht abgesprochen werde oder antisemitische Stereotype auf ihn als „kollektiven Juden“ übertragen würden.
Insgesamt hätten sich die dokumentierten Fälle fast alle offline ereignet - etwa die Hälfte im öffentlichen Raum, ansonsten am Arbeitsplatz, im Wohnumfeld oder in Bildungseinrichtungen. RIAS Saarland habe drei gezielte Sachbeschädigungen, zwei Bedrohungen und 52 Fälle verletzenden Verhaltens dokumentiert. Bei Letzterem gehe es etwa um alltägliche Äußerungen, Diskriminierungen und Parolen oder Schmierereien an nichtjüdischem Eigentum sowie Versammlungen mit antisemitischen Vorkommnissen.




