Amnesty fordert Schutz vor Angriffen der ADF-Miliz im Ostkongo

Amnesty fordert Schutz vor Angriffen der ADF-Miliz im Ostkongo
Allein bei einem Angriff auf ein Dorf im Ostkongo soll die ADF-Miliz mehr als 60 Menschen getötet haben. Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International dokumentiert zahlreiche weitere Verbrechen.

Nairobi, Kinshasa (epd). Amnesty International wirft der islamistischen ADF-Miliz schwere Verbrechen im Ostkongo vor. Ein am Dienstag veröffentlichter Bericht dokumentiere Angriffe auf die Zivilbevölkerung, Entführungen, Zwangsarbeit sowie die Rekrutierung von Kindersoldaten, teilte die Menschenrechtsorganisation mit. Die kongolesische Regierung müsse entschlossener vorgehen, um den Schutz der Zivilbevölkerung zu gewährleisten.

In dem Bericht werden für das vergangene Jahr sieben Angriffe der mit dem „Islamischen Staat“ (IS) verbündeten Miliz dokumentiert. Allein bei dem Überfall auf das Dorf Ntoyo seien mehr als 60 Menschen getötet worden, hieß es. Die Übergriffe seien Kriegsverbrechen, die die Welt nicht länger ignorieren dürfe.

Sexuelle Gewalt

Die Menschenrechtler haben nach eigenen Angaben mehr als 70 Interviews in der Region Nord-Kivu geführt, unter anderem mit Überlebenden von Angriffen der Miliz. Augenzeugen hätten berichtet, dass Zivilisten verschleppt und zum Teil gegen Lösegeld freigelassen worden seien, hieß es. Auch Zwangsheiraten und Fälle von sexueller Gewalt dokumentierten die Menschenrechtler.

Die ADF rekrutiere und zwinge auch Kinder, sich an ihren Angriffen zu beteiligen, teilte Amnesty weiter mit. Dabei würde sie auch ideologisch indoktriniert. Kinder und Jugendliche hätten berichtet, dass jene, die nicht kooperierten, getötet würden. Amnesty forderte Hilfe bei der Wiedereingliederung ehemaliger Kindersoldaten.

Mehr als 1.300 Tote

Die ADF-Miliz („Allied Democratic Forces“) wurde in den 1990er Jahren in Uganda gegründet und ist inzwischen mit dem IS verbündet. Der Ostkongo wird seit Jahren von Konflikten beherrscht, unter anderem geht es um den Zugang zu wertvollen Bodenschätzen. Der Großteil der Regionen Nord- und Süd-Kivu ist aktuell unter Kontrolle der M23-Rebellen, die von Ruanda unterstützt werden. Die kongolesische Armee ist unterfinanziert und oft nicht in der Lage, Zivilisten zu schützen. Laut Daten des Konfliktbeobachtungsinstituts Acled hat die ADF-Miliz vergangenes Jahr insgesamt 1.370 Menschen getötet.