Studie: Vertrauen in demokratische Werte bleibt hoch

Studie: Vertrauen in demokratische Werte bleibt hoch
Die demokratischen Grundwerte stoßen laut einer Studie der Bertelsmann Stiftung auf breiten Rückhalt in der Bevölkerung. Wie diese im Alltag funktionieren, wird hingegen kritischer bewertet. Dies stelle aber keine Krise der Demokratie dar.

Berlin, Gütersloh (epd). 82 Prozent der Menschen in Deutschland befürworten laut dem Demokratiemonitor 2026 der Bertelsmann Stiftung die Werte der liberalen Demokratie. Im Vergleich zu einer Befragung im Jahr 2019 sei die Zustimmung damit sogar leicht um zwei Prozentpunkte gestiegen, wie aus der am Montag in Berlin veröffentlichten Langzeitstudie hervorgeht. Während die Zustimmung für Werte wie Wahlen, Parlament und Partizipation hoch ist, werde deren alltägliche Umsetzung deutlich negativer wahrgenommen.

Die Forscher untersuchten acht Ausprägungen einer Demokratie: Wahlen, Öffentlichkeit, Parlament, Regierung, Gewaltenteilung, Bürgerrechte, Partizipation und Parteien. Die Befragten mussten dabei bewerten, wie sehr sie hinter diesen Werten stehen und wie gut diese ihrer Ansicht nach tatsächlich im Alltag funktionieren.

Die acht untersuchten Variablen werden demnach von den Befragten mit Werten zwischen 77 Prozent (Parteien) und 91 Prozent (Wahlen) als überdurchschnittlich gut eingestuft. Gleichzeitig bewerten nur zwischen 15 (Partizipation) und 65 Prozent (Wahlen) auch ihr Funktionieren als überdurchschnittlich positiv.

Fast alle Werte nahmen demnach im Vergleich zum Jahr 2019 zu. Nur die Zustimmung zu Bürgerrechten - etwa individuelle Freiheitsrechte und soziale Grundrechte - sowie zur Partizipation sank leicht.

Partizipation war zudem der einzige Wert, der im Vergleich zum Jahr 2019 als schlechter funktionierend wahrgenommen wurde. Als überdurchschnittlich gut wahrgenommen wurde dagegen besonders das Funktionieren von Parlament (plus fünf Prozentpunkte), Gewaltenteilung und Bürgerrechten (jeweils plus vier).

Robert Vehrkamp, Mitautor der Studie, sprach von einem „enorm hohen Legitimitätswert“ der deutschen Demokratie. In den USA etwa würde bereits die Legitimität des Wahlsystems an sich angezweifelt. Auch in Deutschland betrage die Lücke zwischen der Zustimmung und dem Funktionieren demokratischer Werte zwar insgesamt rund 50 Prozentpunkte. „Geringe Zufriedenheitswerte mit ihrem Funktionieren allein sind aber noch keine Krise der Demokratie“, sagte Vehrkamp.

Vehrkamp sprach in diesem Zusammenhang vom „critical citizen“ (kritischer Bürger), zu denen er auch sich selbst zählte. „Ich bin auch unzufrieden mit vielen Dingen, die das praktische Funktionieren unserer Demokratie angehen“, räumte der Forscher ein. Generell beeinflusse dies einen „critical citizen“ allerdings nicht in der grundsätzlichen Unterstützung für die Werte der Demokratie.

Es sei wichtig, das Zusammenspiel zwischen Legitimität und der sogenannten Performanz zu betrachten. Die geringe Zufriedenheit mit der praktischen Arbeit von Institutionen habe bisher nicht zu einer Beschädigung der grundsätzlichen Akzeptanz der Demokratie geführt. „Das interpretieren wir als starke Resilienz“, sagte Vehrkamp. Er verwies darauf, dass in den Beobachtungszeitraum unter anderem die Corona-Pandemie und der russische Angriffskrieg in der Ukraine fielen.

Der Demokratiemonitor beruht den Angaben zufolge auf sechs repräsentativen Befragungen von jeweils mehr als 5.000 Befragten zwischen 2019 und 2025.