Frankfurt a.M., Rom (epd). Die deutsche Lösung für die katholische Segnung von nicht-verheirateten Paaren findet im Vatikan nicht die volle Zustimmung. Der Heilige Stuhl habe in einem Gespräch mit den deutschen Bischöfen klargestellt, dass man nicht „mit der formalisierten Segnung“ von queeren oder geschieden-wiederverheirateten Paaren einverstanden sei, erklärte Papst Leo XIV. auf dem Rückflug von Äquatorialguinea nach Rom am Donnerstagabend.
In der katholischen Kirche gibt es ausgehend von der Lehre zu Ehe und Homosexualität unterschiedliche Auffassungen zu der Frage, ob Paare, die aufgrund dieser Lehre nicht kirchlich heiraten können, trotzdem gesegnet werden dürfen. In Deutschland war die Segnung von allen Paaren, die sich lieben, Bestandteil der Reformen des Synodalen Weges. Betroffen sind nicht nur gleichgeschlechtliche Partnerschaften, sondern auch Paare mit geschiedenen Partnern oder Partnern anderer Religion.
Dissens in der Frage der Gestaltung
Der Münchner Kardinal Reinhard Marx und andere deutsche Bischöfe erlauben die Segnung solcher Paare auf Basis der Handreichung „Segen gibt der Liebe Kraft“ aus dem vergangenen Jahr und einem Vatikan-Papier von 2023. Die Kritik des Papstes bezieht sich nun auf die Frage, welchen Charakter die Segensfeiern haben dürfen.
Das Vatikan-Papier betont, die Form des Segens dürfe „von den kirchlichen Autoritäten nicht rituell festgelegt werden, um keine Verwechslung mit dem dem Ehesakrament eigenen Segen hervorzurufen“. Das ist der Punkt, in dem der Papst offenbar eine Abweichung der deutschen Praxis fürchtet.
Verband spricht von Missverständnis
Aber auch in der deutschen Handreichung, die eine Arbeitsgruppe aus Bischöfen und Laien erarbeitet hat, heißt es: Für die Segnungen seien „keine approbierten liturgischen Feiern und Gebete vorgesehen“. Eine Offenheit bei der formalen Gestaltung der Segenshandlung ist aber erwünscht.
Steffen Schille, Sprecher der Ökumenischen Arbeitsgruppe Homosexuelle und Kirche (HuK), spricht von einem „Missverständnis“. Denn die Segnungen folgten keinen einheitlichen Formalien, sagte er dem Evangelischen Pressedienst (epd). Die Handreichung zu Segnungen für Paare, die sich lieben, spiegele das wider, was im Moment möglich sei. Die Idee, dass ein Mensch oder die katholische Kirche darüber entscheide, wer einen Segen erhale, sei für den Verband eine „befremdliche Vorstellung“, sagte er. „Der Segen kommt von Gott.“
Papst sieht wichtigere Themen als Sexualmoral
Der Papst unterstrich, Fragen der Sexualmoral sollten nicht über Einheit oder Spaltung der Kirche entscheiden. Tatsächlich gebe es aus seiner Sicht weitaus größere und wichtigere Themen, „wie Gerechtigkeit, Gleichberechtigung, die Freiheit von Männern und Frauen sowie Religionsfreiheit“. HuK-Sprecher Schille fragte hingegen, wo die Gerechtigkeit bleibe, wenn der Segen Gottes für bestimmte Gruppen eingeschränkt werde.
Die 27 katholischen Bistümer gehen unterschiedlich mit der Handreichung um. In der Mehrheit der Bistümer sind Segnungen auch für queere Paare möglich. Nicht alle empfehlen aber die Handreichung zur Nutzung, darunter die Bistümer Köln, Regensburg, Eichstätt, Augsburg und Passau. Andere Bistümer haben die Handreichung auf ihrer Internetseite oder sogar im kirchlichen Amtsblatt veröffentlicht. Dazu gehören unter anderem die Bistümer Limburg, Trier, Aachen, Osnabrück, Hildesheim, Rottenburg-Stuttgart, Speyer und Münster.





