Hausärzte warnen vor Scheitern des Primärversorgungssystems

Hausärzte warnen vor Scheitern des Primärversorgungssystems
Die Reformpläne von Bundesgesundheitsministerin Warken stoßen beim Hausärztinnen- und Hausärzteverband auf scharfe Kritik. Der warnt, das geplante Primärversorgungssystem könnte, noch bevor es beschlossen würde, scheitern.

Düsseldorf (epd). Die Hausärzte in Deutschland sehen durch die Sparpläne von Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) das geplante Primärversorgungssystem in Gefahr. „Wenn die Ministerin ihr GKV-Spargesetz in dieser Form durchboxt und bei den Hausarztpraxen massiv spart, dann wird das Primärversorgungssystem nicht zu schaffen sein“, sagte der Bundesvorsitzende des Hausärztinnen- und Hausärzteverbandes, Markus Blumenthal-Beier, der Düsseldorfer „Rheinischen Post“ (Freitag). Er warf Warken vor, ihre eigene Reformagenda zu „torpedieren“.

Die Pläne der Ministerin seien „vollkommen planlos“, kritisierte Blumenthal-Beier. „Auf der einen Seite sagt sie, dass die Hausärztinnen und Hausärzte in Zukunft noch mehr Aufgaben übernehmen sollen, auf der anderen Seite wird genau an dieser Stelle massiv der Rotstift angesetzt.“ Für Patientinnen und Patienten würde das bedeuten, dass die hausärztliche Versorgung spürbar schlechter werde. Der Verbandsvorsitzende forderte die Bundesregierung auf, „hier nachzusteuern“.

Neues System soll Patientensteuerung verbessern

Warken will ein sogenanntes Primärversorgungssystem einführen. Dieses sieht vor, dass Patienten zuerst in eine Hausarztpraxis gehen, die dann bei Bedarf an Fachärzte überweist. Zudem sollen anderen medizinischen Berufen mehr Aufgaben in der Gesundheitsversorgung übertragen werden, um Ärztinnen und Ärzte zu entlasten. Ein erster Gesetzentwurf soll noch in diesem Jahr vorgelegt werden.

Gleichzeitig will die Ministerin noch in diesem Monat ein Sparpaket auf den Weg bringen, das die gesetzlichen Krankenversicherungen um 20 Milliarden Euro entlasten soll. Dabei ist unter anderem geplant, für niedergelassene Ärztinnen und Ärzte bestimmte Zusatzvergütungen, etwa für zusätzliche Termine und offene Sprechstunden, zu streichen.