Berlin (epd). Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) hat beim Petersberger Klimadialog für einen beschleunigten Ausbau erneuerbarer Energien geworben. Die aktuellen Energiepreise infolge des Nahostkriegs seien „eine Krise der fossilen Energien“, sagte er bei dem Treffen von Klimapolitikern aus rund 40 Staaten am Dienstag in Berlin. Die weltweite Abhängigkeit von Öl und Gas zeige die „Verletzlichkeit der Energieversorgung“, erklärte er bei einer Pressekonferenz. An dieser nahmen auch der türkische Umweltminister Murat Kurum und der australische Energieminister Chris Bowen teil.
„Jedes zusätzliche Windrad, jede Solarzelle macht uns unabhängiger von den Unwirren der Welt“, befand Schneider. Die Bundesregierung wolle das internationale Dialogformat nutzen, um den Ausstieg aus fossilen Energien und die Elektrifizierung voranzubringen. Der nächste große Schritt werde sein, bei Heizungen und bei Verkehrsmitteln Öl und Gas zu sparen oder ganz sein zu lassen, so Schneider. Er sei sicher, die fossile Energiekrise werde als Beschleuniger für den Klimaschutz wirken.
Energiekrise erschwert Ausstiegspläne
Der türkische Umweltminister Kurum, der auch designierter Präsident der nächsten Weltklimakonferenz COP31 ist, sprach von Einigkeit unter den Teilnehmern in Berlin, dass fossile Brennstoffe keine Energiesicherheit garantieren könnten. Investitionen in alternative Energien stärkten dagegen die Resilienz. Die globale Zusammenarbeit bleibe trotz geopolitischer Spannungen zentral für Fortschritte.
Als ein Knackpunkt der internationalen Klimapolitik gilt weiterhin der Ausstieg aus fossilen Energien. Die hohen Energiepreise haben laut Kurum dazu geführt, dass Entscheidungen gegen fossile Energien in einigen Ländern zurückgedreht wurden. „Das ist nur vorübergehend“, gab er sich sicher. Entscheidend sei, dass jedes Land langfristig unabhängig von fossilen Quellen werde.
Der australische Energieminister Bowen, der bei der COP31 die Verhandlungen leiten soll, erwartet Impulse von einer internationalen Konferenz zum Ausstieg aus Kohle, Öl und Gas, die Ende des Monats in Kolumbien stattfindet. Deren Ergebnisse sollen in den Verhandlungsprozess einfließen, kündigte Bowen an.
Greenpeace-Protest im Hafen
Umweltverbände dringen auf schnellere Fortschritte. Germanwatch sieht in den gestiegenen Öl- und Gaspreisen einen Treiber für erneuerbare Energien und fordert stärkere internationale Kooperation. Der WWF verlangt klare Signale für den fossilen Ausstieg. Greenpeace kritisierte die Bundesregierung als wenig glaubwürdig und warf ihr vor, Klimaschutzpläne im eigenen Land zu bremsen. Am Berliner Westhafen protestierten Aktivistinnen und Aktivisten in Kanus.
Klimakonferenz in Antalya
Das zweitägige Treffen in Berlin dient der Vorbereitung auf die kommende UN-Klimakonferenz im November in Antalya. Die Türkei hat die Präsidentschaft der COP31 inne, Australien übernimmt den Vorsitz der Verhandlungen. Am Mittwoch wird Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) beim Petersberger Klimadialog erwartet. Ministerinnen und Minister aus mehr als 40 Staaten nehmen an den Gesprächen teil.




