Bonn (epd). Der Deutsche Tierschutzbund hat mit Blick auf den Buckelwal in der Ostsee davor gewarnt, eine Rettung um jeden Preis anzustreben und dem schwer geschwächten Tier damit weiteres Leid zuzufügen. Private Rettungsinitiativen entstünden zwar oft aus tiefem Mitgefühl und ernsthaftem Hilfswillen, müssten aber am Wohl des Tieres gemessen werden, sagte Referentin Nadia Wattad dem Evangelischen Pressedienst (epd). Wenn Tierärztinnen, Meeresbiologen und spezialisierte Organisationen - darunter die British Divers Marine Life Rescue - die Überlebenschancen als minimal einschätzen, seien fortgesetzte Bergungsversuche mit erheblichem Stress, Schmerzen und der Gefahr weiterer Strandungen verbunden. Tierschutz heiße nicht, Leben um jeden Preis zu verlängern, sondern unnötiges Leiden zu vermeiden.
„Der Anblick des hilflosen Wals ist für viele Menschen emotional nur schwer zu ertragen - insbesondere, wenn das Tier im Livestream rund um die Uhr zu beobachten ist“, räumte Wattad ein. Die aktuelle Situation rund um den Wal zeige aber auf, dass selbst einer privat finanzierten Hilfsaktion, bei der Geld keine Rolle zu spielen scheint, Grenzen gesetzt sind. Wenn es tatsächlich gelingen sollte, den Wal in die Nordsee zu begleiten, werde das Tier vermutlich dort verenden.
Wal-Drama soll Augen für Schutz der Meere öffnen
Bei der Forderung, „den Wal jetzt endlich zu erlösen“, bleibe Paragraf 1 des Tierschutzgesetzes Maßstab: Maßnahmen müssen geeignet sein, Leiden zu vermindern, und dürfen selbst kein zusätzliches, unverhältnismäßiges Leid verursachen, so Wattad. Wenn belastbare Hinweise vorliegen, dass eine Euthanasie technisch extrem schwierig umzusetzen sei und für das Tier mit erheblichen Qualen verbunden wäre, stelle sich die Frage, ob sie tatsächlich einen „vernünftigen Grund“ im Sinne des Gesetzes erfüllt.
Es sei wünschenswert, dass das Schicksal des Tieres die Augen für den konsequenten Schutz der Meere und ihrer Bewohner öffne. Dass auch freischwimmende Geisternetze aus der Fischereiindustrie - und Unterwasserlärm - ein großes Problem sind, könne man an diesem traurigen Fall sehen, erklärte Wattad.



