Berlin (epd). Für das Internationale Auschwitz Komitee zeigt die Abwahl Viktor Orbáns in Ungarn, dass „eine scheinbar unumkehrbare Entwicklung der Demokratiezerstörung und Selbstherrlichkeit“ beendet werden kann. „Plötzlich ist der Kaiser nackt, und wir erkennen seine Erbärmlichkeiten und unsere Möglichkeiten aufs Neue“, erklärte die Präsidentin des Auschwitz-Komitees und Auschwitz-Überlebende Eva Umlauf am Montag.
Der Exekutiv-Vizepräsident Christoph Heubner erklärte zum Wahlergebnis vom Sonntag am Rande eines Aufenthaltes in der Gedenkstätte Auschwitz: „All jene Menschen in Europa, die ihre Hoffnung auf rechtsextreme Ideologen und deren altbekannte Tiraden des Rassismus und der Ausgrenzung setzten, sollten jetzt sehr genau nach Ungarn schauen.“ Dort habe ein Regime „über 16 Jahre hinweg ein System von Korruption aufgebaut, das Land ausgezehrt und sich die Taschen vollgemacht“.
Hoffen auf Gerechtigkeit für Imre Kertész
Mit diesem Wahlergebnis hätten die Ungarn allen rechtsextremen Parteien und Gruppierungen den Spiegel vorgehalten, erklärte Heubner: „So sieht ein Land aus, das euch 16 Jahre anvertraut war und doch nur in die Hände gefallen ist.“
Komite-Präsidentin Umlauf erinnerte an den ungarischen Literatur-Nobelpreisträger Imre Kertész. Ministerpräsident Orban habe die Texte des Holocaust-Überlebenden aus den Schulbüchern entfernen lassen. „Wir hoffen sehr, dass ihm jetzt - nach seinem Tode - in seinem Heimatland Gerechtigkeit widerfährt“, erklärte Umlauf.



