Palliativmediziner: "Robotik kann keine Nächstenliebe"

Palliativmediziner: "Robotik kann keine Nächstenliebe"
Technik könne und dürfe keine Beziehung ersetzen, sagt der Palliativmediziner Winfried Hardinghaus, der dem Deutschen Ethikrat angehört.

Bremen (epd). In der Begleitung sterbender Menschen hat Künstliche Intelligenz (KI) nach Auffassung des Palliativmediziners und Ethikexperten Winfried Hardinghaus dort ihre Grenzen, wo die Würde des Menschen verletzt wird. „Robotik kann keine Nächstenliebe“, sagte der Ehrenvorsitzende des Deutschen Hospiz- und Palliativverbandes am Freitag zur Eröffnung der zweitägigen Messe „Leben und Tod“ in Bremen. Technik könne und dürfe keine Beziehung ersetzen.

Hardinghaus stellte vor Hunderten Gästen einen „Würdekompass“ vor, der seinen Worten zufolge auch bei den zunehmenden Einsätzen von KI in Sterbe- und Trauerprozessen handlungsleitend bleiben muss. „An oberster Stelle steht menschliche Beziehung“, betonte der Mediziner, der seit 2024 dem Deutschen Ethikrat angehört und am Berliner Franziskus-Krankenhaus arbeitet.

Aber auch Transparenz in der Debatte um den Einsatz digitaler Hilfsmittel, die Wahl- und Barrierefreiheit der sterbenden Menschen und die Verantwortung füreinander seien zentral: „Fortschritt muss mit Würde gestaltet werden.“

Messeleiterin: KI kann keinen Herzschlag fühlen

Digitalisierung und KI im Zusammenhang mit Leben und Tod ist das Schwerpunktthema der Messe. Zum Programm gehören rund 170 Informations-, Beratungs- und Verkaufsstände sowie mehr als 60 Vorträge und Workshops. „Die KI kann Worte generieren, aber keinen Herzschlag fühlen“, sagte auch Messeleiterin Meike Wengler: „Wir müssen achtsam bleiben in dem, was uns menschlich macht.“

Die Messe „Leben und Tod“ wolle Mut machen, sich mit dem Lebensende zu beschäftigen, bekräftigte die Messegründerin und ergänzte: „Und damit auch mit dem Leben selbst.“ Im vergangenen Jahr besuchten rund 5.300 Besucherinnen und Besucher die Messe, unter anderem haupt- und ehrenamtlich Tätige aus den Bereichen Palliative Care, Hospiz, Trauerbegleitung, Seelsorge und Bestattungskultur. In diesem Jahr ist es die 17. Messe „Leben und Tod“.