Tübingen, Stuttgart (epd). Die Evangelische Landeskirche in Württemberg und der Pietismus in Württemberg trauern um den früheren Landesbischof Gerhard Maier. Er starb am 4. April im Alter von 88 Jahren, wie die Landeskirche am Dienstag mitteilte. Der promovierte Theologe hatte das Bischofsamt von 2001 bis 2005 inne. Der amtierende Landesbischof Ernst-Wilhelm Gohl würdigte die „großen Verdienste“ seines Vorgängers in einem Nachruf: „In den herausfordernden theologischen Debatten seiner Generation hat Gerhard Maier sein Amt als Landesbischof immer auch als Amt der Einheit verstanden.“ Maier habe „die Lebensrelevanz der Bibel und ihre Christusfrömmigkeit“ leidenschaftlich vorgelebt.
Der in Ulm geborene Maier studierte Jura und Theologie in Tübingen. Er war Pfarrer in Baiersbronn bei Freudenstadt und anschließend Studienleiter und Rektor des theologisch konservativen Albrecht-Bengel-Studienhauses in Tübingen, ehe er 1995 Regionalbischof von Ulm wurde. Zu seinen Ehrenämtern gehörten der Vorsitz der Deutschen Indianer Pionier Mission und die Mitgliedschaft in der Leitung des Altpietistischen Gemeinschaftsverbandes.
Gegner der historisch-kritischen Bibelauslegung
Als Bischof gab Maier den Anstoß, einen Grundkonsens darüber zu suchen, was Evangelischsein heute bedeutet. Ergebnis dieser Diskussion wurde das 2005 erstmals aufgelegte Impulspapier „Daran glauben wir“. Sein Bischofsamt hatte er angetreten unter dem Leitgedanken, „Bischof für alle, nicht ein Bischof für alles“ zu sein.
Als Gastprofessor lehrte Maier an der Evangelisch-Theologischen Fakultät in Heverlee/Leuven (Belgien) und an der Staatsunabhängigen Theologischen Hochschule Basel in Riehen. 2004 erhielt er die Ehrenprofessorenwürde der Universität Galati (Rumänien), die Ehrendoktorwürde der Kirchlichen Hochschule für Theologie in Zhirovischi (Weißrussland) sowie 2005 die Verdienstmedaille des Landes Baden-Württemberg. Zeit seines akademischen Lebens hatte er die in der Theologie anerkannte historisch-kritische Methode der Bibelauslegung abgelehnt.
Protest gegen EKD-Kurs zur Homosexualität
Auch im Ruhestand meldete sich Maier zu Wort. So veröffentlichte er mit sieben weiteren Altbischöfen einen Protestbrief gegen das von der EKD beschlossene Pfarrdienstgesetz zum Umgang mit Homosexualität. Maier verbrachte den Ruhestand in Tübingen mit seiner Frau Gudrun, mit der er vier Söhne hatte.
Vertreter der pietistischen „ChristusBewegung Lebendige Gemeinde“ nannten Maier in einem Nachruf einen ihrer „bedeutendsten Lehrer“. In 18 Jahren Mitarbeit in der Landessynode sowie als Prälat und später als Bischof habe er sich als „Brückenbauer im kirchenpolitischen Ringen“ erwiesen. Als Dozent habe er weit über Württemberg hinaus eine ganze Generation junger Theologinnen und Theologen geprägt. Das Albrecht-Bengel-Haus würdigte seinen früheren Rektor mit dem Hinweis, Maier habe Generationen von Haupt- und Ehrenamtlichen in das Lesen der Bibel und den lebensnahen Umgang mit ihr eingeführt.





