Paderborner Erzbischof: Beziehungsarmut verändert das Gemeinwesen

Paderborner Erzbischof: Beziehungsarmut verändert das Gemeinwesen
Am Abend vor Karfreitag wäscht der Paderborner Erzbischof Bentz im Dom zwölf Männern und Frauen die Füße. In seiner Predigt erinnert er an die Fußwaschung Jesu und spricht über Einsamkeit, die auch Jesus erfahren habe.

Paderborn (epd). Der Paderborner Erzbischof Udo Markus Bentz hat am Donnerstagabend mit einer Fußwaschung an den biblischen Bericht über Jesus erinnert, der seinen Jüngern vor dem letzten Abendmahl die Füße wusch. „Die Fußwaschung sagt: Gott beugt sich in deiner Einsamkeit zu dir hinab“, sagte Bentz in einer Messe im Paderborner Dom. „Du bist nicht allein, selbst in deiner Einsamkeit, in deinem einsamen Wandern im Nebel des Lebens, bist du nicht gottverlassen.“ Im Anschluss wusch der Erzbischof zwölf Frauen und Männern im Altarraum des Doms die Füße.

In seiner Predigt befasste sich Bentz mit dem Thema Einsamkeit. „Inmitten von vielen Menschen, inmitten einer inflationären Kommunikation digitaler und medialer Art, greift die Einsamkeit um sich, weil auch eine Beziehungsarmut um sich greift“, sagte er. Einsamkeit sei ein breites soziales Problem, sie verändere nicht nur das Innenleben des Einzelnen, sondern auch das Gemeinwesen, betonte der Theologe. Eine Gesellschaft werde automatisch ärmer, wenn „das Wir in ihr“ zu wenig gespürt werde.

Gesegnete Einsamkeit

Es gebe aber auch „eine quasi gesegnete Einsamkeit, in der der Mensch zu sich und zu Gott kommt“, sagte Bentz. Der Glaube lehre auch „den fruchtbaren Rückzug, die Sammlung, die Stille, das Nicht-sofort-Ablenkbare“. Alleinsein müsse daher nicht nur Isolation sein, sondern könne vielmehr Ort von Klarheit, Gelassenheit und Selbsterkenntnis werden. Jesus habe beides erfahren.